Von der Mühseligkeit des Wählens

Wir haben keine einfache Zeit. Diese ganze Globalisierungskiste ist wirklich extrem mühsam. Ich meine, früher konnte man den Schmetterlingseffekt noch als Binsenwahrheit abtun, aber heute spürt man dies gleich am eigenen Leibe, wenn ein Briefträger in den USA die Hypothe-ken für seine fünf Häuser nicht mehr abbezahlen kann, weil er entlassen wurde. Richtig müh-sam so was. Und es macht auch ein bisschen Angst. Vor allem, wenn die armen verhungern-den Afrikanerkinder aus dem Fernsehen, welchen wir gütigerweise ab und zu Geld spenden, plötzlich vor unserer Haustüre stehen und um Einlass bitten. Wir würden sie ja gerne aufneh-men, aber das Boot ist leider voll. Und sowieso wäre das dann beinahe ein bisschen zu viel der Globalisierung.

Im Zuge der Globalisierung und des Informationszeitalters bricht dann auch diese Flut an Informationen über uns herein. Ich meine, früher hatte man vielleicht eine Zeitung abonniert, welche der eigenen Meinung am nächsten stand und dann hörte man noch ein bisschen Radio. Aber heutzutage werden einem die Zeitungen gratis nachgeschmissen und im Internet werden einem täglich tausende Meinungen und Berichte an den Kopf geworfen. Es ist solch ein Über-fluss an Information vorhanden, dass er zur Last wird. Insbesondere als Schweizer Stimmbür-ger ist das extrem anstrengend, wenn man mal wieder dazu aufgefordert wird, seine eigene Meinung an der Urne kundzutun und sich darum zur konstruktiven Meinungsbildung durch riesige (Abfall)berge von Information wühlen sollte, um die wesentlichen Fakten und Argu-mente zusammen zu tragen. Das macht überhaupt keinen Sinn, vor allem, wenn man weiss, dass die eigene Stimme nicht viel mehr als ein Mückenschiss des gesamten Stimmvolumens ausmacht. Da kommen diese ganzen Plakate vor den Abstimmungen wie gerufen. Gross, far-big und mit wenigen Worten wird erklärt, was eigentlich Sache ist. Wieso überhaupt immer so lange Reden schwingen und Seite um Seite voll schreiben, wenn es doch auch in einem einzigen prägnanten Satz geht oder sogar nur mit einem Wort?

Warum? Weil Politik leider nie so einfach und bequem ist, um sie nur mit einem Satz zu er-klären. Weil Menschen, welche solch komplizierte Sachverhalte in derart einfache Sätze pac-ken, meist die wesentlichen Fakten weglassen und die ureigenen Interessen verschleiern. Na-türlich ist es mühsam, sich selbst die nötigen Informationen zu beschaffen, wo man doch selbst kaum etwas ausrichten kann gegen die herrschenden Verhältnisse, aber wie schon Rudi Dutschke über die Revolution sagte, ist auch die Politik nicht ein kurzer Akt, wo mal irgen-detwas geschieht und dann alles anders ist. Politik ist nun mal ein langer komplizierter Pro-zess und wir aber können aktiv an diesem Prozess teilnehmen oder weiterhin Spielball und Marionette einer rechtspopulistischen Elite sein!

Erschienen in der Februar-Ausgabe 2011 der Perspektive, Nr. 5, Seite 11.


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