Eine besondere Freundschaft

Ich und meine Winterjacke – Eine Leidensgeschichte. Und jetzt ist es vorbei. Humphrey Bogart würde dazu wahrscheinlich sagen: „Liebe Helly Hansen, uns werden immer diese verdammt kalten Nächte in Zürich bleiben…“

Nach fünf langen, intensiven Jahren habe ich mich nun endlich von meiner Helly-Hansen-Winterjacke getrennt. Es war die längste und intensivste Beziehung, die ich je zu einem Kleidungsstück gepflegt hatte. Ich wollte mir lange Zeit nicht eingestehen, dass es nun mit dieser Jacke vorbei war. Wenn sie ständig kleine Daunenfedern verlor, ignorierte ich dies geflissentlich. Wenn die Innentasche ein Loch hatte und ich haufenweise Dinge verlor, wurde es verziehen und das Loch zugenäht. Wenn am Schlitten ein Zähnchen fehlte und der Reissverschluss immer rausrutschte, brachte ich die Jacke in ein Nähatelier. Diese aber gaben mir den Rat, vielleicht doch eine neue Jacke zu kaufen, diese tue es wirklich nicht mehr. Ich ging nie mehr dorthin. Ich musste den Reissverschluss nun immer vorsichtig zuziehen, was mir manchmal gelang, aber öfters auch nicht. In Clubs an der Garderobe musste ich stets darauf hinweisen, dass der Reisverschluss ganz ganz vorsichtig zugezogen werden müsse. Sie rissen ihn trotzdem jedes Mal heraus und ich verschwendete lange Minuten meiner Partyzeit, um den Reisverschluss wieder einzuklinken. Aber es war meine Jacke und ich würde sie nicht so einfach aufgeben! Leider ist dann noch ein weiterer Zacken aus dem Schlitten gebrochen, was ein Einfädeln nun unmöglich machte. Natürlich geschah dies genau in einer bitterkalten Winternacht auf dem Weg nach Hause. Ich gab mich geschlagen und beerdigte meine Winterjacke. Wir hatten viele gute Zeiten, aber gegen Ende war es einfach nicht mehr dasselbe. Es liegt nicht an mir, sie hat sich einfach zu stark verändert. Nun habe ich eine neue Winterjacke und ich habe mich zuerst furchtbar unwohl gefühlt in ihr. Sie hatte eine Kapuze. Bislang hatte ich fünf Jahre lang nur Kapuzenpullis gekauft, weil meine Helly Hansen-Jacke keine Kapuze hatte. Ich muss mich nun erst an dieses Doppelkapuzen-Ding gewöhnen. Dafür hat die neue Jacke keine Innentaschen mehr. Wo verstecke ich denn jetzt meine Getränke aus dem Coop, wenn ich ins Kino gehe? Ich tat mich lange schwer, mich mit der neuen Jacke anzufreunden. Nun kam aber diese grauenhafte Kältewelle und die neue Doppelkapuze kam elegant zum Einsatz. In den Clubs erntete ich keine bösen Blicke mehr wegen meiner mühsamen Jacke. Meine Freunde lachten nicht mehr über mich, weil ich dauernd Federn verlor. Und trotzdem vermisse ich meine Jacke. Du wirst sie nie bekommen Caritas. Niemals!

Bildquelle: flickr.com

http://www.students.ch/magazin/details/59706


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