Hauptsache aktuell!

Eine Kolumne über den ewigen Kampf der Marketingabteilungen dieser Welt vs. die unorganisierten Konsumenten. Und ich mitten drin mit einer Chipspackung „cheese & onions“, die ich nicht mag.

Seit ich vor ein paar Wochen im 1-Franken-Shop um meine 1-Franken-Einkäufe gebracht wurde (hier nachzulesen), habe ich ein bisschen darauf geachtet, wie die grossen Ladenketten versuchen, dem Kunden Produkte zu verkaufen, welche er im Grunde genommen gar nicht braucht. Gemäss Wikipedia nennt sich das Konsumgütermarketing. Ich bin nun wahrlich kein Marketing-Experte und von Werbung verstehe ich auch nur soviel, wie man als Laie halt davon versteht. Ich bin mehr so auf der anderen Seite, mir wird das Geld aus der Tasche gezogen. Meistens jedenfalls. Manchmal wird es aber selbst mir zu blöd.
Eigentlich ist es eine ziemlich logische Sache, dieses Konsumgütermarketing: Es gibt ein „3 für 2“-Angebot, ich schlage zu, weil ich eins geschenkt bekomme und fühle mich super. Der Verkäufer fühlt sich auch super, weil ich wahrscheinlich das Produkt sonst gar nicht gekauft hätte. Man könnte fast schon von einer win-win-Situation sprechen. Natürlich funktioniert das nicht mit allen Produkten: Brot zum Beispiel würde ich nicht „3 für 2“ kaufen, denn ich esse nicht plötzlich mehr Brot als sonst, nur weil es gerade Aktion ist. Soweit die wirtschaftlichen Basics, aber meine Frage ist vielmehr: Funktioniert dieses Konsumgütermarketing überhaupt?

Da gehe nun ich in die Migros und sehe eine Packung Shampoo, daneben dasselbe Shampoo im Dreierpack. Die Shampoos im Dreierpack sind zusammen 30 Rappen teurer als drei einzeln gekaufte Shampoos. Funktioniert das wirklich? Sind wir schon so sehr gehirngewaschen, dass wir immer das Gefühl haben, dass Mehrfachpackungen automatisch billiger sind als das gleiche Produkt in Einzelpackungen?

Oder ich werde im Lidl bombardiert mit unmöglichen Preisen wie 0.99 Franken oder 6.69 Franken, nur damit ich an der Kasse darauf hingewiesen werde, dass Lidl mir den einen Rappen als Wechselgeld nicht zurückgibt, sondern mir stattdessen vier Rappen schenkt. Wie denn auch, das Einrappenstück wurde im Jahre 2007 offiziell abgeschafft. Aber trotzdem danke für das grosszügige Geschenk! Aber kaufe ich jetzt mehr im Lidl ein? Wirken diese gebrochenen Preise oder Schwellenpreise überhaupt noch? Weiss mittlerweile nicht jeder, dass 9.95 Franken ganz einfach 10 Franken sind und es hier nur um den psychologischen Effekt geht?

Mein Liebling aller Konsumgütermarketingtricks (was für ein Wort!) ist aber nach wie vor die Denner-Masche: Bei nahezu allen Regalen (ausser eben beim Brot zum Beispiel) werden Produkte angepriesen, welche zur Zeit Aktion sind. Das geschieht mit diesen farbigen Schildern, auf denen GROSS der neue Preis steht, während der alte durchgestrichen ist. Soweit so alltäglich, nun gibt es aber im Denner auch farbige Tafeln, auf denen in derselben Schrift nicht „Aktion“ geschrieben steht, sondern „Aktuell“. Und „Aktuell“ ist keineswegs billiger. Im Gegenteil: Mit „Aktuell“ wird zum Beispiel auf die neuen (teureren) Chips aufmerksam gemacht. Aber ich wollte sowieso Chips kaufen, warum nicht gleich die neuen testen. Sie sind zwar nicht Aktion, wie ich gemerkt habe, aber nun habe ich sie schon in der Hand und sie sind zumindest „Aktuell“. Touché, Denner, du hast gewonnen!

Man könnte sich natürlich stundenlang über diese bösen Kapitalisten aufregen, die dem hart arbeitenden Bürger das letzte Geld aus der Tasche ziehen und diesen dabei noch im Glauben lassen, sie hätten ihm etwas Gutes getan. Aber so ist es meine Art nicht und so sehe ich es mehr als eine Art Spiel zwischen mir und der Werbeindustrie, wobei manchmal ich gewinne, meistens aber die andere Seite. Hauptsache, ich habe jetzt „cheese & onions“-Chips zu Hause, welche ich nie zu Ende essen werde, da sie mir nicht schmecken. Dafür waren sie „Aktuell“.

(Bildquelle: meine Wenigkeit selbst)

http://www.students.ch/magazin/details/62475
https://www.ronorp.net/zuerich/ron-und-das-stadtleben/stadtgeschichten-zuerich.643/hauptsache-aktuell.260895


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