Lisa, bitte komm zurück!

Warum man nicht um vier Uhr Morgens betrunken mit dem Handy herumhantieren sollte. Vor allem nicht unter der Woche. Und nicht direkt vor meinem Haus. Ein Fallbeispiel.

Es war Donnerstagnacht und ich schlief seelenruhig vor mich hin, als plötzliche komische Zwischenrufe meine Träume durchkreuzten. Hellwach lag ich im Bett und durfte einem Handygespräch eines jungen Mannes lauschen, der mit ziemlicher Sicherheit schon ein paar Gläschen zu viel intus hatte. Und das um vier Uhr Morgens. Unter der Woche. Jedenfalls bettelte und flehte er eine gewisse Lisa an, sie solle doch bitte bitte wieder zu ihm zurückkommen. Soweit, so typisch Züri und total unspektakulär, aber dann liess er den alles in den Schatten stellenden Satz vom Stapel, der da lautet: „Lisa, bitte chum zrugg! Ich bin nur churz ufem Klo gsi!“
Ich weiss nicht, wo ich anfangen soll. Zuallererst gibt es wahrscheinlich eine triviale wie auch banale Erklärung für diesen Ausspruch, aber es war frühmorgens und da ich nicht mehr schlafen konnte, hatte ich genug Zeit mir wilde Geschichten zu diesem Satz auszudenken. Deshalb ignoriere ich die naheliegendsten Erklärungen einfach. Nun den: Aus all meinen Stories, die ich mir dazu ausgedacht habe, finde ich die Vorstellung am Besten, dass die Lisa ihren Typen verlassen hat, weil er kurz die Toilette aufsuchen musste. Vielleicht verwechselte sie es mit dem berühmten „Ich gehe kurz mal Zigaretten holen“. Oder sie ist so anhänglich, dass gleich die Bindung riss, als der Abstand zwischen den Beiden ein paar Meter zu gross wurde. Es scheint jedenfalls, als dürfe man diese Lisa keinen Moment alleine lassen. Der junge Mann wird dies natürlich gewusst haben, aber irgendwann wurde wahrscheinlich sein Harndrang so stark, dass er das Risiko eingehen musste. Man sieht, ich könnte ganze Bücher in diesen Satz hinein interpretieren.

Aber eben, ich tue es nicht, weil mir der Satz eigentlich zuwider ist. Ich mag Sätze nicht, die mit breitester Zürischnurre gesprochen werden, aber dann Wörter wie „Klo“ beinhalten. Das heisst „WC“ oder „Toilette“. Von mir aus auch „AB“. Sogar „ufs Hüsli ga“ würde ich noch gelten lassen, aber bitte nicht „Klo“. „Klo“ ist hochdeutsch und hat in der Schweizerdeutschen Sprache nichts zu suchen. So wie man auch nicht „Bürgersteig“ sagt sondern „Troittoir“. So als echter Schweizer. Soviel zu meinem Sprach-Patriotismus: „Das gat mir nämli ächt uf dä Keks!“

Aber eins muss ich diesem Satz zu gute halten: Am liebsten würde ich aus ihm einen Technoremix machen und damit Millionen verdienen. Er würde so nznznz gehen und dann würde ich darüber den legendären Satz schreien. Und dann noch ein paar mal so abgehackt wiederholen, vielleicht noch mit Autotune und allem drum und dran. Leider bin ich in solchen Belangen gänzlich unbegabt, deshalb dürfen sich für die professionelle Verwirklichung gerne gestandene Produzenten bei mir melden! Oder besser noch der junge Mann meldet sich, um seinen Satz selbst einzujammern. Aber wahrscheinlich weiss er gar nichts mehr davon. Nur die Lisa weiss es mit ziemlicher Sicherheit noch, denn die wird nicht betrunken gewesen sein. Die Arme.

Was haben wir nun aus dieser Geschichte gelernt: Tätige keine übereiligen Anrufe, wenn du betrunken bist. Und versuche den Toilettengang möglichst lange hinaus zu zögern, im Falle, dass deine Freundin eine ausgeprägte Bindungsangst ihr eigen nennt. Das klingt jetzt ein bisschen nach einem Rat des Dr. Sommer-Teams. Gefällt mir irgendwie: „Das isch ja voll knorke!“

http://www.students.ch/magazin/details/62969
http://www.ronorp.net/zuerich/ron-und-das-stadtleben/stadtgeschichten-zuerich.643/lisa-bitte-komm-zurueck.265080


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