Wollen wir nicht alle Foucault heissen?

Um allzu viele Klicks zu vermeiden, habe ich in meinem Titel einen berühmten Philosophen genannt – und das in den Semesterferien. Schande auf mein Haupt, aber es geht gar nicht um philosophische Angelegenheiten, sondern um Namen. Schöne Namen.

Alexis de Tocqueville. Lasst euch das auf der Zunge zergehen: Alexis. De. Tocqueville. Extra mit einem „c“, damit es einem nicht zu einfach gemacht wird. Oder Émile Durkheim. Mit einem grossen Aigue, welches in Worddateien zu schreiben die hohe Kunst des Tastaturschreibens beansprucht. Das haben sich Émiles Eltern damals wahrscheinlich nicht so gedacht, aber es verleiht dem Namen noch zusätzliche Würze. Nicht, dass er das nötig hätte, Durkheim selbst ist schon genial genug. Es fällt vielleicht auf: Ich habe eine leichte Schwäche für wohlklingende Namen, besonders französische. Ich meine, eigentlich kann sich jeder einen Namen machen, aber es gibt nichts Komfortableres als schon einen guten Namen zu besitzen. So wie zu Beispiel Michel Foucault. Michel ist zwar etwas langweilig, weil konventionell, dafür ist Foucault umso strahlender. Es gibt nichts Besseres als in einer hitzigen Diskussion „Foucault!“ zu schreien, das beendet jegliches Wortgefecht. Foucault klingt so endgültig, es setzt einfach einen Punkt. Oder Claude Longchamp. Zumindest namentechnisch ist er seinen Konkurrenten Michael Hermann oder Regula Stämpfli Äonen voraus. Regula Stämpfli. Das ist für mich irgendwie so etwas wie der Anti-Name. Gut, das ist jetzt vielleicht ein bisschen gemein und auch ein bisschen unfair, weil ich eine leichte Antipathie gegenüber dieser Person empfinde, aber ich glaube, bünzliger kann man nicht mehr heissen.
Nun denn, kommen wir meinem eigenen Namen: „Marco Büsch“. Der ist ganz okay. Marco ist cool. Nicht zu gewollt speziell, aber auch nie ganz zu oberst auf der Liste mit den Namen des Jahres. Und Büsch ist halt Büsch. Je nachdem wie man es ausspricht, wirkt der Name richtig gut oder einfach nur plump. Ich für meinen Teil bevorzuge es, wenn man ihn so leicht französisch ausspricht, so leicht gedehnt. „Büüsch“. Einfach nicht so vorschlaghammermässig, so wie bei „gömmer no i d’Büsch“. Das ist grauenhaft. Aber ich denke, man könnte jeden Namen böswillig unschön aussprechen. Ausser halt eben Alexis de Tocqueville oder Émile Durkheim. Wie der Merowinger in „Matrix reloaded“ so schön sagt: Auf französisch zu fluchen ist wie sich mit Seide den Arsch abzuwischen. Man entschuldige die etwas raue Umgangsprache, aber inhaltlich kann man diesen Ausspruch sicherlich auch auf Namen anwenden. Und schlussendlich ist der Name ja auch nicht mehr so wichtig. Zumindest auf Facebook oder in Chats kann man sich seinen eigenen Namen geben wie „Ghettoking94“ oder „*_*sWeEt_bAbY*_*“, das sollte Entschädigung genug sein. Ich selbst überlege mir, mich selbst in „Marco S. de Büschville“ umzubenennen. Das „S.“ so wie in „Bruno S. Frey“, ich plagiere mich ja auch manchmal selbst, da geht das in Ordnung. Wobei „Marco Büsch“ eigentlich doch ganz okay ist, so für den Hausgebrauch.

(Bildquelle: Meine Wenigkeit)

http://www.students.ch/magazin/details/63195
http://www.ronorp.net/zuerich/ron-und-das-stadtleben/stadtgeschichten-zuerich.643/wollen-wir-nicht-alle-foucault-heissen.270310
Erschienen im Newsletter vom Do, 23.08.12


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s