Gömmer no es Gütterli go zwitschere

Heimat ist für Sprache. Eine nicht ganz ersnt gemeinte Auseinandersetzung damit. Nominiert für den «-Perspektive-Artikel des Jahres 2012».

Der Begriff „Heimat“ ist ein weiter Begriff. Für mich ist Heimat zum Beispiel Wiedikon, Stadt Züri, Züri, d‘Düütschschwiiz, die Schweiz oder Europa, je nachdem, wo ich mich gerade aufhalte und mit wem ich spreche. Vor einigen Wochen war ich einen Monat im Ausland und das einzig Schweizerische, was ich neben meinem Sackmesser und meinem Pass mitgenommen habe, war die Schweizer Sprache, genauer gesagt meine Züri-Schnure. Vorher ist sie mir nie so stark aufgefallen, aber in längeren Gesprächen mit unseren deutschen und österreichischen Nachbarn ist mir dann doch ab und zu ein sehr schweizerisches Wort herausgerutscht, was jedes Mal von Unverständnis bis Gelächter führte. Zurück in der Schweiz, habe ich mich nun einen Monat lang auf verschiedenste typisch schweizerische Ausdrücke konzentriert und werde nachfolgend einige Müschterli des helvetischen Sprachduktus zum Besten geben.

Da hat mir letztens ein Kolleg auf mein Natel angelüütet und wollte mit mir eins gogä zieh gehen. Das Lustige daran war, dass er jedes Mal ein anderes Wort für den Akt des Bier- trinkens benutzte, welche da waren: Ein Bier zwitschern. Ein Bier schnappen gehen. Und mein absoluter Favorit: Ein Bier zischen. Nun denn, wir gingen dann in einen Spunten, eine richtige Chnelle. Also nicht gerade die Gräblibar, aber es sassen schon auch ein paar Alkis an den Tischen. Dabei fällt mir ein: Der beste Spruch von einem Alki, den ich je gehört habe: „Hüt isch glaub durschtig Wätter!“ – Mit „heute“ war jeder Tag gemeint und mit „durschtig Wätter“ jede Wetterlage. Stimmt aber auch: Wenn es sonnig ist, sollte man viel trinken und wenn es draussen regnet, bleibt einem ja kaum etwas anderes übrig, als am Schärmen zu bleiben und einen kräftigen Schluck aus seinem Gütterli zu nehmen.

Was ich übrigens nicht ausstehen kann, sind Anglizismen in der schweizerdeutschen Sprache, allen voran: „fooden“ für essen. Mit diesem Wort musste ich mich in der Sek immer herumschlagen: „Gömmer go foode“. Geht‘s eigentlich noch?! Das ist ja nicht mal richtig englisch. Aber ehrlich gesagt immer noch besser als der eine Kumpel im Gymi, der dann immer „stopfe“ zum Akt des Essens sagte: „Wo gömmer hüt go stopfe?“ – Tschuldigung, aber essen ist für mich nicht nur reine Nahrungsaufnahme, ich will es auch geniessen und sicher nicht in mich hineinstopfen. Gopfertamminomal! Aber da gibt es auch noch andere Schweizer Begriffe, die ich nicht ab kann (wie der geneigte Deutsche es so schön formuliert): Zum Beispiel „blutt“ für nackt und „brünzle“ für pinkeln. Diese Worte sind nicht wunderprächtig oder famos, sie sind einfach nur gruusig zum aussprechen und wenn jemand ernsthaft diese Wörter in seinem aktiven Wortschatz hat, haut’s mir den Nuggi use. Solche Worte benutzt man höchstens als kleiner Goof. Da mag ich Worte wie „Ample“ oder „Trottoir“ viel lieber. Oder „Finke“ für Hausschuhe und „Härdöpfel“ für Kartoffeln. Oder das Zürcher „Stänz“ für Zuhälter.

Aber eben, ich finde ja, es ist Hans was Heiri, solange man sich versteht. Deshalb wechsle ich lieber wieder ins Hochdeutsche, susch fangen die Leute, die der Mundart nicht mächtig sind, noch an zu töibelen. Das wäre ein bizeli struub. Ich für meinen Teil verstehe Mundart als einen Teil meiner Identität und mitunter als das Schweizerischste an mir. Wenn ich also an den Begriff „Heimat“ denke, verbinde ich damit in erster Linie die eigene Sprache, welche mich auch im hintersten Ecken der Welt noch als Schweizer verrät. Und unter den Schweizern als Zürcher. Und ich gebe es offen zu: Ich für meinen Teil mag die Schweizer Sprache.

Erschienen in der Oktober-Ausgabe 2012 der Perspektive, Nr. 22, Seite 11.


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