Ein Bond mit Gefühlen? NEIN DANKE!

Seit ein paar Monaten spuckt eine diffuse Angst durch meinen Kopf: Die Angst vor dem nächsten James Bond-Film. Am 1. November wird es soweit sein und ich werde der Wahrheit ins Auge blicken müssen: Wird es wohl ein guter James Bond-Film oder wird er wieder so furchtbar wie der letzte?

Das Problem der James Bond-Filme ist ja seit einigen Jahren, dass der Kalte Krieg endgültig vorbei ist. Man sieht Bond immer mehr sichtlich verwirrt durch die Weltgeschichte torkeln, weil er einfach nicht mehr weiss, wer jetzt Freund oder Feind ist. Dem Bond wurde sicher ganz schlecht, als die NZZ am Dienstag mit «britisch-russischer Schulterschluss» titelte. Es ging zwar nur um die Kooperation zweier Erdölkonzerne, aber trotzdem: So weit ist es also schon gekommen. So ist das nun also mit dieser Globalisierung. In dieser Welt muss James Bond erstmal wieder seinen Platz finden. Und da hilft es auch nicht, dass die Produzenten dem James Bond plötzlich Gefühle einimpfen und noch schlimmer: Eine Vorgeschichte. Grässlich! Das Gute am James Bond ist doch, dass ich einfach den Fernseher einschalten kann, wenn James Bond läuft, weil ich weiss, ich brauche kein Vorwissen, ich weiss, das ist James Bond, er hat die Lizenz zu töten, er hat zwei Frauen, eine stirbt, weil James Bond am Ende nur mit einer im Bett liegen kann. Aber es ist egal, weil James Bond auch diese Frau hinter sich lassen wird, weil er halt ein abgebrühter Kerl ist. Und irgendwo ist ein Bösewicht und der ist so böse, dass es einfach nur Spass macht, gegen den zu kämpfen. Das ist James Bond – und fertig!

Ich hoffe ernsthaft, die Produzenten können bei «Skyfall» noch die Kurve kratzen. Die Voraussetzungen sind zumindest nicht so schlecht: Daniel Craig zum Beispiel ist kein schlechter James Bond. Da gab es eindeutig Schlimmere. Mein Liebling ist er zwar nicht, weil er mehr so der Sean-Connery-James Bond ist und ich mehr so den Roger-Moore-James Bond mag, aber er ist wirklich okay. Dann prügelt er sich halt mit seinen Feinden, anstatt sie einfach über den Haufen zu schiessen, obwohl sie sich prügeln wollen. Hauptsache, er lässt ein paar gute Sprüche fahren, während er mitten in einer Schiesserei steckt.

Aber fast wichtiger als die Wahl des richtigen James Bond ist sowieso die des richtigen Bösewichts und diese Rolle wird mit Javier Bardem perfekt ausgefüllt. Vielleicht bringt er sogar sein Bolzenschussgerät mit, wer weiss. Auf ihn freue ich mich jetzt schon. Der wird so richtig richtig böse sein.

Auf was ich mich ehrlich gesagt auch ein bisschen freue, ist das product placement. Ich mag product placement. Ich mag es, die Person neben mir anzustupsen und zu sagen «siehst du, hier schon wieder dieses product placement» und dann regt man sich gemeinsam auf, weil der andere hat es sicherlich auch gesehen, mittlerweile ist das product placement ja ziemlich plump geworden: Man sieht ein Auto, man sieht die Marke. Das würde ja eigentlich reichen, so ganz subtil. Aber nein, mittlerweile muss noch jemand auf den Wagen zeigen und laut sagen: „ Oh, das ist doch der neue blablabla, nehmen wir lieber den, weil der ist viel besser!“ – Richtig peinlich so was. Man sieht, ich mag product placement, was ja mittlerweile unumgänglich ist, wenn man James Bond wirklich mag.

Nun denn: Möge der Film kommen. Was ich aber sicherlich nicht tun werde, ist eine Review zu diesem Film zu schreiben. Das ist, wie wenn man einem guten Freund irgendwann sagen muss, dass er sich voll zum Trottel gewandelt hat. Aber vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm, der Trailer sieht doch ganz ansehnlich aus. Aber im Trailer sind auch immer die besten Szenen zusammengeschnitten. Ich müsste mir den Film also gar nicht mehr anschauen. Ich werde es trotzdem tun, weil ich wissen will, ob wirklich alle guten Szenen schon im Trailer verheizt wurden. Und wegen Javier Bardem. Und dem product placement. Vielleicht ist meine diffuse Angst vor diesem Film gänzlich unbegründet. Gut, nicht umsonst nenne ich sie ja diffus.

http://www.students.ch/magazin/details/64767/Ein-Bond-mit-Gefuehlen-NEIN-DANKE

http://www.ronorp.net/zuerich/stadtleben/stadtleben.20/leben-in-der-stadt.659/stadtgeschichten-zuerich.643/ein-bond-mit-gefuehlen-nein-danke.291134

Erschienen im Newsletter vom Fr, 26.10.12


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s