Über was ich mich aufrege, Teil 2

In einem zweiten Teil rege ich mich wieder über Dinge auf, welche die aufgebrachte Energie eigentlich kaum wert wären.

Das Rad wird hier und heute nicht neu erfunden. Es folgt lediglich eine Auflistung von Dingen, über die ich mich letzte Woche hindurch aufregt habe. Es wären mehr Dinge, hätte mich nicht zwischendurch eine Erkältung ans Bett gefesselt. Aber da sind manche Leser vielleicht auch dankbar dafür.

Ich rege mich auf über:

– Menschen, welche einfach stehen bleiben. Sei es direkt vor der Tramtüre beim Ein- oder Aussteigen. Oder am Ende der Rolltreppe. Oder vor dem Lift. Auf der Treppe. Am besten noch mit Freunden, damit man sich mühsam durch den Pulk hindurch kämpfen muss. Es freut mich für euch, dass ihr es nicht eilig habt, aber das gilt leider nicht universell für die ganze Menschheit.

– Diese Krawattenträger, die über Mittag in Scharen über meine Lieblings-Migrosfiliale herfallen und dann je einzeln ihre supergünstigen Aktions-M-Budget-Produkte mit einer Platingolddiamantsupermegawichtigkreditkarte bezahlen. Wir haben es gesehen, ihr habt eine solche Karte. Und damit zahlt ihr euren 2.40-Franken-Snack. Na bravo! Da sind mir die alten Omis doch noch lieber, welche in mühsamer Kleinarbeit jeden Fünfräppler einzeln aus dem Geldbeutel kramen.

– Menschen, die mir zehn SMS schicken für eine Nachricht, die auch in einer SMS Platz gehabt hätte. Ich weiss, auf euren iPhones sieht das aus wie eine grosse SMS, aber es ist nicht eine grosse SMS. Es sind zehn Worte in zehn verschiedenen SMS. Jedenfalls für mich. Es naht die Zeit, mich dem sozialen Druck hinzugeben und mir endlich ein iPhone zuzulegen.

– Über die Brasserie «Louis» im Niederdörfli, welche den Pepito-Laden daneben nun auch übernommen hat und den Pepito dort jetzt dementsprechend «Baguette Louis» nennt. Aber er wird immer noch vom gleichen Menschen hergestellt und schmeckt immer noch genau gleich wie früher. Vielen Dank dafür, haut doch am besten noch zwei Franken drauf, ihr geschmäcklerischen Wichtigtuer!

– Studenten, die in der Mensa/im Vorlesungssaal meinen, sie müssten zehn Plätze reservieren. Und ich, der ich dieses System unterstütze, indem ich mich artig irgendwo anders hinsetze.

Auf ronorp hat ein User die These aufgestellt, dass das Aufregen über Dinge für die Menschen «geistiges Ersatzfutter» ist, welches von der fehlenden Kommunikation der Menschen untereinander ablenken soll, so im Sinne von «Ich rege mich auf, also bin ich». Ich finde dies einen interessanten Ansatz. Also ich für meinen Teil rege mich auch gerne über die kleinen Dinge auf, weil ich nicht die Kraft besitze, mich tagtäglich 24/7 mit den grossen Problemen der Weltgeschichte zu beschäftigen. Aber vielleicht bin ich auch einfach zu simpel gestrickt für eine solche Art der Auseinandersetzung. Man weiss es nicht.

http://www.students.ch/magazin/details/65537/Ueber-was-ich-mich-aufrege-Teil-2

http://www.ronorp.net/zuerich/stadtleben/stadtleben.20/leben-in-der-stadt.659/stadtgeschichten-zuerich.643/ueber-was-ich-mich-aufrege-teil-2.305020

Erschienen im Newsletter vom Do, 29.11.12


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