Velowege für alle, statt für wenige!

Die Stadt Zürich will velofreundlicher werden. Um das Velowegnetz auszubauen, sollen 55 Millionen Franken reichen. Die Jungen Grünen zweifeln das an und lancieren eine Initiative.

Velofahren in der Stadt Zürich ist eine Zumutung. Irgendwo beginnt mal ein Veloweg, der dann meist an der gefährlichsten Stelle abrupt wieder endet. Es gibt keine durchgängigen Velowege, offensichtlich steckt kein System dahinter. Wir haben nämlich eben die Trams und die Busstreifen und die Parkplätze und die brauchen alle unendlich viel Platz. Im Tagesanzeiger (vom 01.11.12) nennt der Kopenhagener Velobeauftragte Mikael Colville-Andersen diese Argumentation einen Blödsinn: Städte wie Amsterdam, Dublin oder Barcelona hätten dieselben Probleme und dort seien die Strassen viel velofreundlicher.

Nun mögen wir eine solche Bevormundung von aussen überhaupt nicht, aber der gute Mann hat leider recht. Das hat sogar die Stadt Zürich eingesehen und will bis 2025 den Veloverkehr verdoppeln. Zu diesem Zweck will der Stadtrat 55 Millionen Franken ausgeben, um damit 150 Kilometer durchgehende Velowege bauen (TA vom 09.11.12). Für diese Wege muss natürlich Platz geschaffen werden und so beginnt der Kampf um jeden Parkplatz, jeden Baum, jeden Zentimeter Trottoir einzeln. Beim Abbau von Parkplätzen sind die Bürgerlichen dagegen, bei weniger Bäumen begehren die Grünen auf. Besonders die geplante Parkplatzvernichtung erhitzt die Gemüter; oder wenn plötzlich eine Autospur verschwindet. So geschehen beim Milchbuck. Mauro Tuena fand das gar nicht lustig und nannte dies eine «reine Schikane» (TA vom 10.11.12). Einziges Problem bei diesem neuen Veloweg ist, dass er an einigen Parkplätzen vorbei führt: Einparkende oder herausfahrende Autos und gedankenlos geöffnete Autotüren werden dem geneigten Velofahrer sicherlich wenig Freude bereiten. Nachdem man es also Jahrzehnte lang verpasst hat, die Velos in die Planung des Strassenverkehrs miteinzubeziehen, offenbaren sich nun mannigfaltige Probleme bei der Velotauglichmachung der Strassen.

CO2-geschwängerte Stadt

Meiner Meinung nach sind 55 Millionen Franken, um die Stadt Zürich velotauglich zu machen, schlicht zu wenig. Vor allem, weil man dieses Anliegen bisher schändlich vernachlässigt hat. Derselben Meinung sind die Jungen Grünen auch und so sammeln sie seit dem 19. September 2012 fleissig Unterschriften für die «Volksinitiative für sichere und durchgängige Velorouten»: Diese verlangt, dass in den nächsten 20 Jahren rund 200 Millionen Franken für ein flächendeckendes Velorouten-Netz zur Verfügung gestellt werden sollen ( http://www.veloinitiative.ch ). Sollten die 3000 benötigten Unterschriften zusammenkommen, darf das Stadtzürcher Stimmvolk schon in naheliegender Zukunft darüber an der Urne abstimmen. Und dann wird hoffentlich ein richtungsweisender Entscheid gegen eine Auto- und für eine Velostadt gefällt. Aber in diesem Punkt vertraue ich den Stadtzürchern, denn eines weiss ich: Die Personen, welche am meisten gegen die neuen Velowege wettern und immer wettern werden, sind in der Stadt Zürich gar nicht stimmberechtigt: Es sind die Pendler, welche tagtäglich aus ihren schönen, grünen Dörfern in unsere CO2-geschwängerte Stadt fahren, die Strassen verstopfen und die Parkplätze besetzen. Ich gebe zu, dass ist jetzt sehr plakativ formuliert, nichtsdestotrotz bin ich froh, dass unser Abstimmungsrecht auf den Wohnort festgelegt ist und nicht auf den Arbeitsort. Sonst wäre in Zürich wahrscheinlich jede Strasse vierspurig.

Es bleibt mir nur zu schreiben, dass sich jeder Stadtzürcher ein Herz fassen und auf http://www.veloinitiative.ch den Unterschriftenbogen herunterladen soll. Und am besten sofort unterschreiben. Und dann vielleicht den Freunden und Verwandten zum unterschreiben mitgeben. Aber nur denen, die in Zürich wohnen. Also in der Stadt. Und am Ende den ganzen Bettel noch frankiert in den Briefkasten werfen und fertig ist die gute Tat. Auf dass wir alle wieder auf Velos durch die Stadt düsen, nicht nur Velokuriere und Szenis!

Erschienen in der Dezember-Ausgabe 2012 der Perspektive, Nr. 24, Seite 6.


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