Weniger Studieren, mehr Käfele

Für die einen ist die Uni ein riesiger anonymer Moloch, der alles und jeden verschlingt, für die anderen eine gigantische Kontaktbörse. Ein paar Anregungen zum gepflegten socializen.

Kurz vor dem Beginn meines Studiums habe ich einmal einen Studenten getroffen, den ich gefragt habe, wie denn ein Studium so sei. Eine Antwort auf meine Frage habe ich nicht erhalten, denn es schien ihm viel wichtiger, mir einen guten Rat mitzugeben: Um wirklich den grösstmöglichen Nutzen aus dem Studium zu ziehen, reiche es nicht aus, nur zu studieren. Mindestens 50 Prozent der Zeit solle man für das Kennenlernen von Mitstudenten aufwenden. Nun gut, er war damals noch im Liz-Studium, hatte tiefe Augenringe und studiert jetzt noch immer, weshalb vielleicht nicht ganz 50 Prozent auf das socializen verwendet werden sollten, aber der Grundgedanke stimmt zweifellos. Dennoch höre ich von vielen Studenten, wie schwierig es doch sei, neue Kontakte zu finden an der Uni. Hier nun ein paar kleine, aber feine Anregungen diesbezüglich:

– Studiere Medizin: Dank dem Numerus Clausus, hohen Durchfallsquoten und dem daraus resultierenden konstanten Druck entstehen Freundschaften fürs Leben, so wie unter Druck auch die schönsten Diamanten entstehen. Zudem gibt es im ersten Jahr mit „Anatomie I“ den unter Studenten so genannten „Betatschungskurs“, bei welchem man sich in einem Praktikum in kleinen Gruppen gegenseitig abtastet, um den Körper genauer kennen zu lernen. Fortan läuft auch sonst viel in kleinen Gruppen, bei denen man sich stetig näher kommt, zum Beispiel wenn man eine Leiche sezieren muss. Was schweisst mehr zusammen als ein gemeinsamer Vertuschungsversuch, weil man aus Versehen am falschen Ort herumgeschnipselt hat.

– Studiere in einem Massenstudiengang wie Recht oder Psychologie: Der Saal ist immer überfüllt und deshalb wird auch immer jemand neben dir sitzen. Sogar wenn du auf der Treppe sitzen musst. Hernach kann man sich gemeinsam darüber aufregen, dass der Saal nicht grösser ist. Oder dass man so ein Fach studiert.

– Sei eher später oder zu spät in der Vorlesung: Wenn du nicht gerade Psychologie oder Recht studierst, wird immer irgendwo ein Plätzchen frei sein, am besten neben einer Person, welche dir sympathisch erscheint.

– Wenn du zu früh bist, setze dich nicht an den Rand. Das macht man einfach nicht, das gehört sich nicht. Das nervt nur. Setze dich lieber in die Mitte und deine Mitstudenten werden es dir danken. Und sich vielleicht sogar neben dich setzen.

– Denke dir ein gutes Ansprechthema aus: Letzte Woche habe ich zum Beispiel eine Dame darauf angesprochen, dass wir beide die Folien in falscher Reihenfolge aufs Papier gedruckt hätten. Wobei das vielleicht eher als Gegenbeispiel dienen könnte, denn ich weiss jetzt nicht viel mehr als dass wir einen Drucker derselben Marke besitzen.

– Beteilige dich aktiv in einem Fachverein, bei einer Studentenzeitschrift, im ASVZ, auch wenn es vielleicht keine ETCS-Punkte gibt. Freunde fürs Leben geben auch keine ETCS-Punkte, sind aber trotzdem ganz in Ordnung. Tatsächlich gibt es viele Tätigkeiten im Leben, für die man keine ETCS-Punkte erhält und die trotzdem cool sind, aber das vergessen viele Studenten nur allzu oft.

Es gäbe noch einige Anregungen zu machen und vielleicht schreibe ich auch einen zweiten Teil, je nach Interesse und Laune, vorerst sei aber darauf hingewiesen, dass die Uni nicht umsonst öfters mal mit einer riesigen Kontaktbörse verglichen wird: Einfacher als an der Uni wird es selten wieder so viele Menschen kennen zu lernen geben, die oftmals ähnliche Interessen verfolgen. Und wenn es mit der Kontaktaufnahme im realen Leben nicht klappen sollte, sei hier auf Internetseiten wie students.ch oder spocal.net verwiesen, welche durchaus auch ihre Qualitäten haben.

http://www.students.ch/magazin/details/67362/Weniger-Studieren-mehr-Kaefele

http://www.ronorp.net/zuerich/stadtleben/stadtleben.20/leben-in-der-stadt.659/stadtgeschichten-zuerich.643/weniger-studieren-mehr-kaefele.322320

Erschienen im Newsletter vom Do, 28.02.13


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