Kein Nerv für sowas!

Nach Jahren war ich wieder einmal beim Arzt, wegen andauernder Kopfschmerzen, so ganz nach dem Motto: Das Internet ist gut, der Arzt ist besser. Doch ich wäre lieber zu Hause geblieben.

Nach langer Zeit war ich letzte Woche wieder einmal beim Arzt, doch es war keine gute Entscheidung. Mich plagten schon seit zwei Wochen Kopfschmerzen, die von einem bestimmten Ort im Hinterkopf ausstrahlten und einfach nicht weggehen wollten und da ich eigentlich nicht so der Typ bin, der viel Kopfschmerzen hat, wurde mir das irgendwann zuviel und ich ging nach Jahren wieder einmal zum Arzt.

So sass ich dann bereits am nächsten Tag im Behandlungszimmer der Arztpraxis und erklärte der Assistentin oder Hilfsärztin oder was auch immer, dass ich jetzt – so im Sitzen – zwar keine Kopfschmerzen mehr hätte, jedoch kämen diese sofort, wenn ich den Kopf viel hin und her bewegen täte. Gesagt, getan: Die Assistentin rüttelte und zerrte an meinen Kopf, so lange, bis ich Kopfschmerzen hatte, machte dann einige Tests und schloss neurologische Schäden aus. Ich fragte, ob es womöglich ein eingeklemmter Nerv sein könnte, sie verjeinte, könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Sie sei da keine Expertin, aber der Chef der Praxis sei ein Spezialist auf diesem Gebiet und würde sich das am nächsten Tag gerne einmal ansehen. Ich sagte zu und erschien am nächsten Tag noch einmal. Und wartete zuerst eine halbe Stunde, bis die Assistentin mich ins Behandlungszimmer holte, um mir zu verkünden, dass ich noch einmal eine halbe Stunde warten müsse, der Arzt sei gerade am Operieren. Ich setzte mich also wieder in den Warteraum und studierte meine Tagesanzeiger-App, wechselte dann aber bald auf den Tagesanzeiger in Papierform, der vor mir auf dem Tisch lag und fühlte mich etwas doof dabei. Eine Stunde und die Glückspost, die Schweizer Illustrierte und ein Joy weiter, holte die Assistentin mich ein nächstes Mal ins Behandlungszimmer und nachdem wir uns weitere zehn Minuten angeschwiegen hatten, erschien dann endlich auch der Arzt. Er drückte und zerrte eine Minute an mir herum, diktierte der Assistentin fürs Protokoll, dass ich sehr wahrscheinlich einen eingeklemmten Nerv am Hinterkopf hätte (ach nein, wirklich?) und zu mir meinte er, ich solle warten, bis sich das wieder lege. Und ich sollte ja keine Schmerztabletten mehr nehmen. Und dann verschwand er, so schnell wie er gekommen war, und die Assistentin zuckte entschuldigend mit den Achseln. Eine echte Entschuldigung wäre es, mir keine Rechnung zu stellen, sondern eine Entschädigung für die verlorene Zeit zu erstatten. Dafür sah die Assistentin ein bisschen wie Jennifer Connelly aus und die mag ich. Immerhin etwas.

Ich darf aber freudig vermelden: Die Kopfschmerzen sind seit dieser Woche weg! Ich gebe zu, der Arzt hatte Recht, ich aber auch. Mittlerweile ist der Arzt ja eh nur noch dazu da, die ergoogelten Selbstdiagnosen abzunicken. Ok, das war jetzt ein bisschen zynisch. Ich glaube jedoch, seit dem Aufkommen der Internet-Selbstdiagnosen fühlen sich solche Leerläufe beim Arzt noch viel mehr wie „Ich-werf-das-Geld-zum-Fenster-raus“ an. Aber immerhin verschafft einem der Arzt meistens die Sicherheit, dass es doch nicht ganz so schlimm ist, wie man anfänglich glaubte (so wie einem im Internet dauernd suggeriert wird). In meinem Fall waren die Kopfschmerzen wohl eher Ergebnis meiner vielen, nervenaufreibenden (oder -einquetschenden…) Arbeiten, die ich für das Studium schreiben musste. Kaum hatte ich nämlich die letzte Arbeit meinem Professor geschickt, waren die Kopfschmerzen wie weggeblasen. Als hätte ich sie ihm mitgeschickt. Ich wünsche mir sogar, ich hätte sie ihm mitgeschickt, aber das ist wieder ein anderes Thema. Und man muss ja auch vorsichtig sein, was man im Internet von sich gibt. Übrigens stammt die Idee mit den mitgeschickten Kopfschmerzen von einer Kollegin, aber sie will nicht, dass ich sie als Quelle angebe und so plagiiere ich einfach ein bisschen, ich Plagöri. Aber dies ist ja auch keine Doktorarbeit, oder eine Abschlussarbeit für einen ETH-Lehrgang oder so.

http://www.students.ch/magazin/details/68947/Kein-Nerv-fuer-sowas

http://www.ronorp.net/zuerich/stadtleben/stadtleben.20/leben-in-der-stadt.659/stadtgeschichten-zuerich.643/kein-nerv-fuer-sowas.339778


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