Abshaken zu Partytunes

Warum nicht mal wieder mit Kollegen eine grosse Studentenparty besuchen, wie man es früher getan hat? Warum nicht den Spass wiederholen, den man gehabt hat? – Vielen Dank Gehirn, dass du meine Erinnerungen immer wieder so vernebelst.

Letzten Freitag war ich an einer dieser grossen Studenten-Clubparties in der Härterei, weil ein- bis zweimal im Jahr habe ich das Reissen, dass es schon cool wäre, wieder einmal an so einer Party zu den neusten Tunes abzushaken. Und weil ich kein Maybe bin, habe ich mir schon im Vorverkauf ein Ticket besorgt, nur um dann vor dem Club gleich lange anzustehen wie die Leute, welche an der Abendkasse Eintritt zahlten – nur halt in einer anderen Schlange. In unserer Schlange wurde dafür mehr rumgedrückt und versucht vorzudrängeln, weil alle das Gefühl hatten, sie hätten doch eindeutig das Recht bevorzugt behandelt zu werden, denn man hat ja schon im Vorfeld ein Ticket gekauft. Wenn man dann endlich vorne angelangt ist, muss man noch die Identitätskarte zeigen, die der Türsteher von jedem verlangt und ganz genau inspiziert, mit einem kurzen, stechenden Blick in mein Gesicht, wie um zu zeigen, dass er jetzt wirklich das Foto mit meinem Gesicht abgleicht und es nicht einfach nur reine Schikane ist.

Irgendwann ist man dann endlich, endlich im Innern des Clubs angelangt – und muss weiter anstehen für die Garderobe. Hier wäre es so geplant, dass links die Menschen, welche etwas abgeben wollen, anstehen und rechts diejenigen, welche schon etwas abgegeben haben, gemütlich davonspazieren können. Das funktioniert hier nicht: Alle drücken auf beiden Seiten nach vorne, ohne Schlange, und so, dass die Menschen, welche eigentlich weg wollen und Platz schaffen würden, sich kaum aus der Masse heraus quetschen können. Vielleicht liegt es daran, dass es eine Studentenparty ist, denen wird ja nachgesagt, sie hätten nicht wirklich eine praktische Intelligenz. Jedenfalls drücken sich dann alle irgendwie nach vorne, man regt sich über die Drängler auf, drängelt selbst aber auch ein wenig, aber man muss ja, man wird praktisch gezwungen, sonst kommt man nie nach vorne. Dann kommt man endlich vorne an und stellt fest, dass nun wahrscheinlich endgültig alle Clubs dazu übergegangen sind, drei Franken statt zwei Franken für die Garderobe zu verlangen. Es ist ja auch viel praktischer, statt einem Zweifränkler nun noch mehr im Portemonnaie rumgrapschen zu müssen, um dann auch noch den Einfränkler herauszuklauben, während man von geschätzten tausend Leuten in den Rücken gestossen wird. Aber so ist das halt mit der Inflation; oder mit der Absprache des Clubkartells in Zürich.

Nun hat man sich aus der ganzen Masse herausgedrückt und kann endlich den eigentlichen Club betreten, wobei ich die Bar gleich links liegen lasse, weil ich dort nochmals eine halbe Stunde anstehen müsste und dann sowieso das halbe Getränk im ganzen Geschubse verschüttet würde. Ich begebe mich also mit meiner Entourage (oder Anhang oder ich bin deren Anhang, ist ja wurscht) direkt auf die Tanzfläche, wo schon heftig der Bär steppt. Wobei man eher weniger steppt, ausser vielleicht auf Füsse, denn es geht schon sehr beengt zu und her auf dieser doch eigentlich grossen Fläche. Dann steht man im Kreis und versucht ein wenig mit rhythmischen Bewegungen auf die Musik einzugehen, welche in Überlautstärke aus den Boxen schallt, aber: Es gelingt nicht. Irgendjemand muss immer noch hinten, vorne, links oder rechts an einem vorbeidrängeln und jedesmal ist es besonders wichtig und den meisten tut es leid, aber sie müssen halt jetzt gerade hier durch. Und ganz ehrlich: Am Schlimmsten sind die kleinen Frauen, welche meinen, sie kämen nicht durch die Menge, wenn sie nicht jedem einzelnen den Ellbogen in die Seite rammen, insbesondere den grossen Männern (unter anderem mir), natürlich ohne sich zu entschuldigen, weil sie meinen, ihre Körpergrösse entschuldige grundsätzlich ihr Verhalten. Wobei die grossen Männer auch nicht viel besser sind, welche alles und jeden ziemlich ruppig zur Seite drücken, begleitet von einem «Soorry». Manchmal brüllen sie es einem sogar schon im Voraus ins Gesicht. Man ist versucht, ihnen eine Ohrfeige zu geben und es mit einem «Sorry gäll, ich werde halt immer ausfällig, wenn mir jemand so dumm kommt. Nicht persönlich nehmen, gäll?!» zu entschuldigen.

Die grosse Frage bleibt aber: Wohin müssen denn all diese Leute eigentlich immer? Irgendwann ist doch jeder auf der Toilette gewesen, hat seinen Drink an der Bar geholt, seine Freunde wiedergefunden und wäre nun bereit, sich einfach irgendwo hinzustellen und den Abend mit etwas Tanzen oder Quatschen oder Rumstehen zu geniessen? Oder nicht? Müssen alle immer umherwuseln, ist das ein Zeichen der Zeit?

Irgendwann ist dann auch schon wieder dieser Zeitpunkt erreicht, wo man einfach viel mehr getrunken haben müsste als man es effektiv hat, um die Party noch weiter geniessen zu können, wenn nur noch diese über alle Massen Betrunkenen um einem herumtorkeln, und dann man macht sich langsam auf den Heimweg. Man fragt sich, warum man überhaupt auf die Idee gekommen ist, so eine Massenveranstaltung zu besuchen und merkt, dass einem das eigene Gehirn wieder einmal einen Streich gespielt hat: Denn die letzte dieser Parties war auch nur in der Erinnerung so gut, in Wirklichkeit ist es jedesmal dasselbe. Das einzig Angenehme ist meistens die Begleitung. Immerhin. Vielleicht lerne ich es ja auch noch irgendwann: Solche Veranstaltungen sind immer gleich, entweder man mag sie oder man sucht sich einfach einen Ort, an welchem es nicht ganz so sehr nur ums Sehen und Gesehenwerden geht.

Und wie jedesmal spaziere ich durch die dunklen Strassen Zürichs nach Hause und bin froh, dass ich wenigstens in der Stadt wohne und mir nicht auch noch eine halbe Stunde lang das Gelalle und Gekotze der Jugendlichen in der S-Bahn antun muss. Nächstes Mal dann vielleicht wieder ein bisschen mehr Maybe.

http://www.ronorp.net/zuerich/stadtleben/stadtleben.20/leben-in-der-stadt.659/stadtgeschichten-zuerich.643/abshaken-zu-partytunes.422697


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