Die versteckte Idee

In der Nähe der Kalkbreite befindet sich das Erfinderhüsli. Es zählt eindeutig zu den interessanteren Orten unserer Stadt, auch wenn kaum jemand davon weiss. Es ist auch mehr so «Von Erfinder für Erfinder». Zeit also, Erfinder zu werden.

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie in einer Zeitung blättern wollen, aber es fehlt Ihnen die nötige Spucke, um dies zu bewerkstelligen? Nein? – Ich auch nicht. Falls aber doch, sollten Sie sich unbedingt mit dem Erfinder des Zeitungs-«Blätterers» in Verbindung setzen, welcher auf idee.ch mit dem Slogan wirbt: «Ihren feuchten Daumen beim Zeitungslesen können Sie vergessen!» – idee.ch ist eine Vermittlung, welche vor über 15 Jahren vom ehemaligen Stadtplaner Heinz Frei gegründet wurde. Vermittelt werden ausschliesslich Ideen, Erfindungen, welche die grossen Firmen bis jetzt aus unerfindlichen Gründen verschmäht oder übersehen haben – wie zum Beispiel der Zeitungs-«Blätterer». Als Interessent kann man sich eine CDs mit den Erfindungen schicken lassen oder aber auch selbst Erfindungen einschicken.

Idee.ch ist eine ziemlich idealistische Angelegenheit, wie es scheint, doch genau das macht ihren Charme aus: Die Internetseite wie kurz nach Erfindung des Internets geschaffen und danach nicht mehr verändert. Sie ist ziemlich überladen und farblich eher grell gehalten. Aber genau das lässt sie so echt wirken. Man hat das Gefühl, dass der Betreiber der Seite keine unnötige Energie in die Gestaltung der Seite gesteckt hat, sondern diese lieber darauf verwendet, die eigenen und die Ideen anderer Leute an den Mann zu bringen. Um noch einige Beispiele zu nennen: Das Taschen-Lotto, ein Kästchen, welches man schütteln kann und einem dann zufällige Zahlen anzeigt, der Slogan dazu: «Der Würfel, der keine Piste braucht». Ein weiterer meiner Favoriten wäre der Pendelroller: Er sieht ein wenig aus wie ein Trottinett, jedoch mit einer Sitzmöglichkeit, welche so hoch montiert ist, dass man damit auch nur normal gehen kann – aber ohne das Eigengewicht! Das schaut dann wahrscheinlich auch überhaupt nicht komisch aus, wenn man so durch die Strassen gefährt (eine Mischung aus «gehen» und «fahren»). Es fühlt sich wahrscheinlich an, wie wenn einem die Kette beim Fahrrad stecken bleibt und man dann trotzdem auf dem Sattel sitzen bleibt und ohne in die Pedalen zu treten weiterfährt. Wunderbar. Einer meiner Lieblinge ist aber eindeutig das «Kugel-Handy», beschrieben wie folgt: «Das «Kugel-Händy» wird ähnlich dem Rubic-Würfel von Hand verdreht, wobei immer wieder neue, faszinierende Figuren entstehen aber: es ist gar nicht einfach, eine bestimmte Figur zu erzeugen! Die Anwendungsbereiche erstrecken sich vom Kreativen Spiel über Werbeartikel bis zum grossformatigen Displayobjekt. Nicht zu vergessen ist die Anwendung als individuell einstellbarer «Massageboy». Die Herstellung ist ohne teure Werkzeuge äusserst preisgünstig möglich.» – Allein schon der Name ist grandios. Ich jedenfalls würde das «Kugel-Händy» kaufen.

Nachdem ich mir einige dieser Erfindungen angesehen hatte, wollte ich selbst auch etwas erfinden, aber tatsächlich: So einfach ist die Sache nicht. Als Kind habe ich zwar fast schon serienmässig meine selbsterfundenen Papierlaptops an Freunde und Verwandte verkauft, aber je länger je mehr glaube ich, die wurden vor allem gekauft, weil ich einfach ein kleiner herziger Junge war. Wobei ich ehrlich gesagt noch keinen erneuten Versuch mit dem Verkauf von Papierlaptops gestartet habe. Für den Papierlaptop würde jedenfalls sprechen, dass er einfach herzustellen ist, auch aus FSC-Papier, und dafür keine Materialien verwendet werden müssen, für welche sich Minenarbeiter in Afrika zu Tode schuften. Die Speicherkapazität ist aber leider nur so gross wie das Papier, welches man in den Laptop schiebt. Eine weitere Idee von mir wäre auch das Küchenpapierrollen-Mikrofon oder das Zwei-Dosen-mit-Schnur-verbunden-Telefon. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob es diese Erfindungen nicht schon gibt und ob die Nachfrage nach solchen Produkten überhaupt da ist. Bei Interesse kann man sich gerne mit mir in Verbindung setzen, besonders für den Papierlaptop sehe ich schon mannigfaltige Verwendungsmöglichkeiten.

Nun bin ich ein wenig abgeschweift, es sei daher noch gesagt: Idee.ch ist nicht nur im Internet erreichbar, sondern kann auch an der Badenerstrasse 153 besucht werden, im kleinen herzigen Erfinderhüsli. Von Montag bis Freitag zwischen 17 und 19 Uhr ist es auch geöffnet. Ich bin noch ein wenig skeptisch, ob ich meinen Papierlaptop vorbeibringen soll, aber vielleicht kann ich mich eines Tages noch überwinden. Oder mir fällt noch etwas Besseres ein. Bis dahin denke ich jedes Mal, wenn ich mit dem Tram an der Kalkbreite vorbeifahre, dass ich doch wirklich einmal etwas Bahnbrechendes erfinden sollte.

http://www.students.ch/magazin/details/73161/Die-versteckte-Idee?

http://www.ronorp.net/zuerich/stadtleben/inspiration.983/stadtleben.20/leben-in-der-stadt.659/stadtgeschichten-zuerich.643/die-versteckte-idee.457379


2 Gedanken zu “Die versteckte Idee

  1. endlich mal wieder ein beitrag by marcobuesch – und erst noch ein spannender, lustiger!

    danke für den schönen zeitvertreib, g.russ aus heslibach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s