Wer sind wir und wer ist Silvia Steiner?

Das «überparteiliche Komitee Selbstbestimmung am Lebensende» hat mir einen Flyer in den Briefkasten geworfen. Inhalt ist die Diffamierung von Silvia Steiner. Warum das so nicht okay ist: Eine Replik.

Sehr geehrtes «überparteiliches Komitee Selbstbestimmung am Lebensende»,

Wie viele andere politische Gruppierungen haben auch Sie mir auf die Wahlen hin einen Flyer in meinen Briefkasten gelegt. Aber im Gegensatz zu den anderen geht es bei Ihnen nicht um Sie und Ihre Wahl, sondern vielmehr um die Nicht-Wahl einer anderen Person: Ich solle doch bitte bitte nicht Silvia Steiner in den Regierungsrat wählen. Ich nehme Ihr Statement zur Kenntnis, möchte aber noch einige Fragen und Anmerkungen dazu anfügen:

  1. Wer ist Silvia Steiner? – Es mag peinlich sein für einen Stadtzürcher, aber ich wusste nicht wer Silvia Steiner ist. Mit der Betonung auf «wusste». Denn nun weiss ich es, dank Ihnen, geehrtes Komitee. Sie haben mich auf die Idee gebracht, mich überhaupt über diese Person zu informieren, denn die Ehre einer vierseitigen Schmähschrift wird wohl nicht jedem/r zuteil: Silvia Steiner muss von äusserster Wichtigkeit sein. Dieser Flyer wird aber wohl kaum das Ziel erreichen, nämlich Silvia Steiner zu diffamieren, denn gerade durch Ihre Schrift erreicht Frau Steiner, was sie wohl alleine kaum so gut zuwege gebracht hätte: Sie bekommt die Aufmerksamkeit der Medien und darf sich ausgiebig und wortreich gegen die gemachten Anschuldigungen wehren. Dieser Punkt geht wohl an Frau Steiner, geehrtes Komitee. Insbesondere auch wegen Punkt zwei.
  1. Wer sind Sie? – Sie treten anonym auf: Nicht gerade die feine englische Art. Wie soll ich Ihnen Glauben schenken, wenn Sie nicht einmal den Mut haben, öffentlich zu Ihrer Meinung zu stehen. Oder haben Sie Angst, dass Sie bei genauerer Nachfrage zu Ihren Quellen tatsächlich auch glaubhaft solche vorweisen müssten? Aber ich verstehe dies, ich würde mich auch schämen, wenn ich Leuten solch ehrverletzende Hetz-Flyer in den Briefkasten werfen würde. Wo kommt nur all dieser Hass her?
  1. Wer oder was sind Ihre Quellen? – Frau Steiner kämpft gegen Menschenhandel, «wie Insider aber wissen, lediglich mit mässigem Erfolg». Wer sagt das? Was haben diese Insider für eine Legitimation, das zu sagen? Handelt es sich vielleicht um Menschenhändler, welche dank Frau Steiner unbeirrt ihr Tagwerk weiter abwickeln können? Also wirklich, was ist das überhaupt für eine Aussage? Nennen Sie doch bitte Gründe, weshalb das so tragisch sein soll, dass Frau Steiner sich für den Kampf gegen Menschenhandel einsetzt, denn andernfalls bleibt bei mir nur der Gedanke, dass es lobenswert ist, dass sie überhaupt etwas dagegen tut. Es kommt der Verdacht auf, dass Frau Steiner auch ein Mittel gegen Krebs und AIDS gleichzeitig finden könnte und es wäre Ihnen als Komitee trotzdem nicht recht, einfach weil Sie Frau Steiner nicht mögen. Aus Prinzip. Denken Sie nicht so eng, nicht so schwarz-weiss: Frau Steiner mag vielleicht nicht immer so gehandelt haben, wie Sie es gerne gehabt hätten, aber das abgrundtiefe Böse wird sie wohl trotzdem nicht verkörpern.
  1. Wer sind wir? – «Wir, die Stimmbürger der Kantons Zürich,…»: Ich nehme an, Sie kommen nicht aus der SVP-Ecke, auch wenn Sie überparteilich sind. Ihre Argumentation ist aber eine ähnliche. 84.5 und 78.5 Prozent der Stimmenden haben Nein zu Abstimmungen gegen Sterbehilfe gesagt: Ja, das stimmt. Aber erstens wissen Sie nicht warum; Sie legen den Stimmenden trotzdem ziemlich starke Aussagen in den Mund. Zweitens sind 84.5 respektive 78.5 Prozent nicht alle Stimmenden, auch wenn es ziemlich viele sind. So wie 50.8 Prozent Ja-Stimmen für eine Masseneinwanderungsinitiative nicht ein Ja des ganzen Stimmvolkes sind, sondern nur einer Mehrheit. Und drittens kommt dazu, dass dies nur die überhaupt Abstimmenden sind: Die Stimmbürger, welche nicht abgestimmt haben, können Sie gar nicht dazu zählen. Bei beiden Abstimmungen haben ungefähr ein Drittel der Stimmberechtigten abgestimmt. Wie kommen Sie also dazu, für alle Stimmberechtigten des Kantons Zürich zu sprechen, wenn doch nur knapp ein Viertel der Stimmbürger diese Initiativen abgelehnt hat?

 

Wissen Sie, vielleicht hat es sogar wahre Sätze in Ihrer Schrift, aber gerade durch Ihre Behauptungen und Ihre diffamierenden Worte fällt es mir schwer, diese Wahrheiten herauszupflücken und genauer zu analysieren. Zudem bleiben Sie anonym. Wer anonym schreibt, der kann seine Aussagen wohl kaum ernst meinen, sonst würde er oder sie dazu stehen. Aber nein, ich werde Frau Steiner mit aller Wahrscheinlichkeit nicht wählen, selbst wenn es als Trotzreaktion auf ihre Schmähschrift passend wäre; aber zumindest bleibt mir die Genugtuung, dass Sie nun wissen, dass ich sie nicht wegen Ihnen nicht wähle. Aber Ihnen wird das wohl egal sein, Hauptsache Frau Steiner wird nicht gewählt. Dafür, dass Sie ein selbsternanntes überparteiliches Komitee sind, denken Sie schon in ziemlich engen Schablonen.


2 Gedanken zu “Wer sind wir und wer ist Silvia Steiner?

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