Die VBZ sensibilisiert gegen Laserpoint-Attacken – und sendet dabei leider falsche Signale

Im Jahre 2014 gab es 38 Laserpointer-Attacken auf VBZ-Mitarbeitenden. Die VBZ finden das 38 zu viel und starten eine Sensibilisierungskampagne – Diese sendet zwar gut sichtbare Signale, aber leider die falschen.

Im Jahre 2013 gab es 14 Laserpointer-Attacken auf VBZ-Mitarbeitende, während es im letzten Jahr bereits 38 waren (bundesweit sind es mehr als 120 pro Jahr). Diese Attacken beeinträchtigen die Sehkraft des Fahrers und können im schlimmsten Falle zur Erblindung führen. Gleichzeitig ist die Sicherheit des Fahrgastes gefährdet, denn auch ein kurzer Moment beeinträchtigter Sehkraft kann zu verheerenden Unfällen führen. Nun hat die VBZ deshalb eine Sensibilisierungskampagne gestartet: Online kann man Erfahrungsberichte von geblendeten VBZ-Angestellten lesen und sich mit den Fahrern solidarisieren, indem man ein modifiziertes Foto von sich als VBZ-Fahrer mit den Freunden teilt. Dies scheint soweit passend, Kern der Kampagne sind aber die Plakate, welche in den Trams aufgehängt werden und diese wirken nicht besonders durchdacht, denn meiner Meinung nach senden sie falsche Signale.

VBZ2

Auf den Plakaten ist ein VBZ-Fahrer mit Helm und Rüstung zu sehen, welche eher an Star Wars erinnern als an eine herkömmliche Fahreruniform. Darunter steht gross geschrieben: «Wenn die Laser-Attacken gegen uns nicht aufhören, werden wir bald so herumfahren müssen.» – Was ist das bitteschön für eine Aussage? Was werden hier für Signale ausgesendet? Meines Erachtens gibt es für dieses Plakat genau zwei Lesarten:

  1. «Wenn die Laser-Attacken nicht aufhören, ziehen wir uns coolere Uniformen an»

Das Plakat zielt auf das Mitgefühl der Fahrgäste mit den Fahrern ab: Wenn das nicht aufhört, müssen wir uns besser schützen – Mit Star-Wars-Uniformen, welche viel cooler aussehen als die jetzigen. Wäre es statt auf die Empathie der Leute zu setzen, nicht viel wirksamer, denn Fahrgästen klar zu machen, dass sie selber auch gefährdet sind? Vielleicht à la «Wenn die Laser-Attacken gegen uns nicht aufhören, könnten Sie, werte Fahrgäste, deswegen in einem Tramunfall sterben.» – Das klingt zwar ziemlich bedrohlich, hätte aber meines Erachtens mehr Wirkung, als mit neuen Uniformen zu «drohen».

  1. «Wenn die Laser-Attacken nicht aufhören, begeben wir uns in eine Opferrolle»

Viel schlimmer scheint mir aber die zweite Lesart des Plakats zu sein: Wenn die Laser-Attacken nicht aufhören, ergeben wir uns in unser Schicksal. Es geschieht ganz offensichtlich ein Unrecht an den Fahrern und die VBZ reagiert darauf, indem sie nicht das Unrecht verhindert, sondern es durch neue Uniformen für die Fahrer versucht abzufedern. Das ist doch pädagogisch nicht wirklich wertvoll: Wir wickeln die Kinder in der Schule ja auch nicht in Schaumgummi ein, wenn sie von anderen Kindern geschlagen werden, sondern versuchen die Schlägerkinder aufzuhalten. Hier mit neuen Uniformen zu «drohen» deutet ja praktisch darauf hin, dass man vor den Laserpointer-Tätern kapituliert hat und nur noch auf Schadensbegrenzung aus ist. Das scheint mir eine gänzlich falsche Botschaft zu sein, welche hier gesendet wird.

Dass die VBZ das schon auch richtig kann, sieht man auf ihrer Website, wenn dort in fetten Lettern steht: «Wer das VBZ-Fahrpersonal gefährdet, gefährdet auch dich». DAS sollte die Kernbotschaft sein, welche dem Fahrgast in allen Trams auf Plakaten vorgehalten werden muss: Achte DU dich bitte auch auf solche Laserpointer-Täter, denn auch DU könntest deswegen gefährdet sein! Und die Aussage am Besten noch mit Unfallbildern unterlegen, als Abschreckung – wie die Bilder auf Zigarettenpäckchen. Diese Botschaft könnte eventuell auch bei den Tätern ankommen, sofern es sich um psychisch gesunde Personen handelt (was ich mir bei solchen Taten nur schwer vorstellen kann), weil diese sich vielleicht der Ausmassen und möglichen Konsequenzen ihrer Taten gar nicht bewusst sind.

Ich finde diese Sensibilisierungskampagne grundsätzlich eine gute Sache und wichtig, aber sie sensibilisiert halt nur, wenn die Leute sich auch angesprochen fühlen. Mir ist klar, dass dieses Bild eines Fahrers in Rüstung ein Blickfang sein könnte, aber die Botschaft die diesem Bild unterliegt, sendet inhaltlich eine falsche Botschaft. Um es im VBZ-Jargon auszudrücken: Kollision in der Marketingabteilung der VBZ zwischen Form und Inhalt. Die Strecken der Linien «Mitgefühl» und «Bewusstsein für mögliche eigene Gefährdung» sind leider nur streckenweise befahrbar. Wir bitten um Verständnis. Piiiiph.

Ein Präventionsvideo der Stadtpolizei Zürich


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