Hosen runter: Städtevergleich! Wie schneidet Zürich im Vergleich mit den Städten dieser Welt ab?

Auch wenn man selbst weiss, dass man in der schönsten und besten Stadt der Welt wohnt, kann doch ab und an die Frage aufkommen, ob die anderen das denn auch so sehen. Deshalb hier der Faktencheck zur Frage: Wie schneidet Zürich im Vergleich mit den Städten dieser Welt ab? Der Tagesanzeiger hat schon etwas Ähnliches gemacht mit den Urban Audit Daten (TA-Artikel), dem europäischen Städtevergleich, wir vergleichen jedoch die Dinge, welche dabei nicht herausgekommen sind.

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  1. Lebensqualität

Die Beratungsfirma Mercer erstellt jährlich ein Ranking der Lebensqualität mit 230 Städten (in die Mercer Auslandmitarbeiter entsendet), welche nach 39 verschiedenen Kriterien bewertet werden. Seit 2010 hat sich Zürich auf dem zweiten Platz festgekrallt, jeweils nur übertroffen von Wien und dicht gefolgt von Auckland, München und Vancouver. Genf, die nächste schweizerische Stadt im Ranking ist zwar seit 2010 um fünf Plätze gesunken, befindet sich aber immer noch auf Platz acht.

Im «Global Liveability Ranking» des «Economist», welches ebenfalls 230 Städte bewertet (jedoch nur nach 30 Kriterien), erreicht Zürich «nur» den zehnten Platz. Auf dem Siegertreppchen stehen dafür Melbourne, Wien und Vancouver. Zürich hat aber die Lebensqualität halten können seit 2010, was keineswegs selbstverständlich ist, denn über alle Städte hinweg ist die durchschnittliche Lebensqualität um ein Prozent gesunken (insbesondere wegen andauernden Konflikten in Syrien, Libyen und der Ukraine). Aber wie man so schön sagt, hat Qualität ihren Preis. Und somit auf zum nächsten Punkt der Lebenshaltungskosten.

QUELLEN: Mercer, Economist

 

  1. Lebenshaltungskosten

Anhand eines Referenzwarenkorbes mit 122 Waren und Dienstleistungen vergleicht die UBS jährlich das Preisniveau in 71 grösseren Städten über alle Regionen verteilt. Wird die Miete nicht miteinbezogen, so ist Zürich die teuerste Stadt der Welt, gefolgt von Genf und New York. Mit Einberechnung der Miete darf Zürich jedoch die Krone an New York abgeben, wo durchschnittlich deutlich höhere Mieten (!!!) bezahlt werden. Die hohen Preise sind aber nur die eine Seite: Verdienen wir denn auch genug, um sie zu bezahlen?

QUELLE: UBS

 

  1. Erschwinglichkeit von Konsumgütern

Gemäss der UBS-Studie «Preise und Löhne 2015» verdienen die Zürcher brutto am meisten, gefolgt von Genf, Luxemburg und New York. Interessant ist insbesondere, dass die Zürcher netto noch mehr Abstand zwischen sich und die Verfolger bringen, was darauf schliessen lässt, dass die Steuern und/oder Sozialabgaben niedriger sind als anderenorts. Vergleicht man die Kaufkraft anhand des bekannten Big-Mac-Index, so muss der Zürcher nur 11 Minuten arbeiten für seinen Big Mac (wie in Genf und New York auch). In Schlusslicht Nairobi (Kenia) muss man hingegen durchschnittlich fast drei Stunden dafür arbeiten. Für handfestere Dinge, wie ein iPhone 6 mit 16 GB muss man in Zürich 20.6 Stunden arbeiten, deutlich weniger als in allen anderen Städten, denn nur schon in Genf muss man dafür durchschnittlich eine Stunde mehr arbeiten. Fun fact am Rande: Für ein Kilo Reis muss man in Genf dafür eine Minute weniger arbeiten als in Zürich, nämlich deren vier.

QUELLE: UBS

 

  1. Beste Universität

Es gibt unzählige Ranglisten, welches Land und welche Stadt nun die besten Universitäten/Hochschulen ihr eigen nennt. Drei der renommiertesten Ranglisten sind dabei das Shanghai-Ranking, das QS-Ranking und das THE-Ranking. Sie unterscheiden sich zwar in der Gewichtung einzelner Punkte, gemeinsam haben sie jedoch, dass alle drei Ranglisten den Fokus mehr auf die Forschung legen (statt auf die Lehre). Im Shanghai-Ranking landet die ETH auf Rang 20 (im Jahre 2014 auf 19), während die Universität Zürich auf Rang 54 (2014: 56) zu finden ist. Im QS-Ranking spielt die ETH wiederum ganz vorne mit auf Rang 9 (2014: 12), während die Universität Zürich weiter hinten liegt auf Rang 85 (2014: 57). Auch beim THE-Ranking schafft es die ETH mittlerweile auf Platz 9 (2014: 13). Die Universität Zürich schaffte es in dieser Rangliste mit dem 104. Platz (2014: 103) leider knapp nicht in die Top 100. In der Forschung scheint Zürich also vorne mitzuspielen; was jedoch die meisten viel mehr interessieren dürfte: Ist Zürich auch eine studentenfreundliche Stadt?

QUELLE: UZH

 

  1. Beste Studentenstadt

In der QS-Rangliste der besten Studentenstädte belegt Zürich hinter Paris, London, Singapur und Sydney den fünften Platz und ist die einzige Schweizer Stadt in den Top 50 (fairerweise auch die einzige, welche die zwei Ranglistenkriterien «Bevölkerung über 250’000» und «Mindestens zwei Universitäten/Hochschulen» erfüllt). Hervorgehoben werden die hohen Forschungsrankings, die Sauberkeit und hohe Sicherheit sowie die Nähe zu Flughafen und Natur. Zudem seien die Semestergebühren nicht so hoch wie beispielsweise in London oder Sydney, dafür sei sonst alles grundsätzlich sehr teuer.

QUELLE: QS-Ranking

 

  1. Sicherste Stadt

Im «Safe Cities Index 2015» des «Economist» wurde eine Rangliste mit 50 ausgewählten Städten erstellt. Dabei wird «Sicherheit» sehr umfassend gedacht in vier Kategorien: Digitale Sicherheit, gesundheitliche Sicherheit, Infrastruktursicherheit und persönliche Sicherheit. Während Zürich im Gesamtindex auf Platz sieben landet (mit Tokyo, Singapur und Osaka in den Top drei), schneidet unsere Stadt in den einzelnen Sparten sehr unterschiedlich ab: Bei der digitalen Sicherheit (zB. Cyberkriminalität oder Identitätenklau) erscheint Zürich nicht mal unter den ersten zehn (Platz 19), wobei da Mario Fehrs neuer Staatstrojaner vielleicht noch nicht mit einberechnet ist. Auf dem Gesundheits- und dem Infrastrukturindex kann sich Zürich jedoch auf dem ersten Platz festsetzen. Grund dafür ist zum einen das umfassend ausgebaute Gesundheitssystem (mit immer abenteuerlichen Krankenkassenprämien) und zum andern die hohen Investitionen in die Infrastruktur der Stadt (zum Beispiel ins Wassersystem, Verkehrsführung usw.). Im Index für die persönliche Sicherheit, welcher beispielsweise die Kriminalitätsrate und das Sicherheitsgefühl bewertet, schafft es Zürich nicht in die Top 10 (Platz 13). Wenn der Zürcher Gesetzgeber und die Polizei die Schrauben in Punkto Sicherheit und Ordnung noch ein wenig anziehen, kann Zürich dem Verbote-Mekka und unangefochtenem Spitzenreiter der Rangliste Singapur sicher bald Konkurrenz machen (siehe work in progress: Keine Musik nach 22 Uhr, illegale Demos oder Keine nackten Brüste im Kreis 4).

QUELLE: Economist

 

  1. Luftverschmutzung

Gemäss dem Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) ist Zürich von 23 europäischen Städten die lufttechnisch sauberste Stadt, noch vor Kopenhagen und Wien. Dies sei insbesondere der umfassenden Strategie zur Reduzierung der Luftverschmutzung zu verdanken. Die Stadt begann schon Mitte der 80er-Jahre damit, die Schadstoff-Emissionen zu messen. Im Jahre 2011 wurde dann der «Massnahmenplan Luftreinhaltung 2011» durch den Stadtrat beschlossen. Unter anderem wurden städtische Anlagen auf den neusten Stand der Technik gebracht und der Regierungsrat genehmigte 2012 ein Reglement für Dritte, welches die Emissionen weiter begrenzen sollte (zB. durch deutlich strengere Vorschriften für Holzheizungen). Die Massnahmen scheinen zu greifen, jetzt muss Zürich Kopenhagen nur velotechnisch noch den Rang ablaufen – da sind die Dänen uns nämlich noch weit voraus.

QUELLE: BUND, Stadt Zürich

 

Man sieht: Zürich spielt in vielen Sparten ganz oben mit im internationalen Vergleich der Städte, jedoch hat dies auch seinen Preis. Oder: Unser Züri ist uns lieb und teuer. Insbesondere teuer.

Zuerst veröffentlicht auf: tsüri.ch


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