12 Gründe, warum es schön ist von einem Rucksacktrip wieder nach Hause zu kommen. Oder auch nicht.

Das Nachhausekommen von einem Rucksacktrip ist nicht immer einfach. Vieles ist auf Reisen anders als im trauten Heim. Die pure Freiheit lässt sich zuhause einfach nicht so stark ausleben, wenn man am nächsten Morgen um acht Uhr wieder zur Arbeit muss. Zu Hause: Das wird auf Reisen oft mit Pflichten, Pflichten, Pflichten gleichgesetzt. Aber es ist viel mehr. Und damit meine ich nicht nur Freunde und Familie. Es gibt auch einige andere Dinge, die zuhause angenehmer sind als auf Reisen (und auch einige unangenehmere).

      1. Endlich hat man wieder einen Funken Privatsphäre! Gerade in einem gut besuchten Hostel kann es schon vorkommen, dass der Besuch der Toilette/Dusche den einzigen Moment des totalen Alleinseins darstellt. Aber auch da begehrt irgendjemand nach kurzer Zeit Einlass, klopft, ruft, «fällelet». Obwohl ein paar Schritte weiter sich eine zweite oder gar dritte und vierte Toilette/Dusche befindet.

 

      2. Du bist nicht mehr speziell. Nicht, dass man als Schweizer besonders speziell ist, aber dennoch: Niemand schreit mehr „KuchikästliiiHAHAHA“ durch den Raum, wenn er von deiner Swissness erfährt.

 

      3. Die Leute verstehen deine Sprache wieder. Ist man zu zweit unterwegs, kann man nicht mehr in aller Öffentlichkeit seine Magendarmprobleme besprechen. Aber man hat sie auch nicht mehr, weil man sich nicht mehr ständig von Instant-Suppen und Fastfood ernährt.

 

      4. Man muss nicht mehr oben im Doppelbett schlafen, nur weil keine anderen Betten mehr frei sind. Wobei damit mehr ein Etagenbett gemeint ist. Also ein Bett auf dem anderen Bett oben drauf. Mani Matter selig hat auch mal einen Text über die sprachliche Problematik bezüglich des Begriffs des Doppelbetts geschrieben („Ds Doppelbett“) – sehr empfehlenswert. Der Text, nicht das Doppelbett. Ich hasse Doppelbetten. Für eine grossgewachsene Person mit Tendenzen zu Höhenangst sind diese Dinger eine Tortur. Diese kleinen Leiterchen, auf denen man nach oben steigen soll! Und wenn man sich endlich hochgekämpft hat, bemerkt man, dass man die Kopfhörer für das iPhone unten im Rucksack vergessen hat. Aber kein Problem, man kann sich ja zur Seite rollen und herunterfallen lassen, denn meistens hat es bei den Doppelbetten keine Holzlatten, welche einem vom Herunterfallen bewahren. YOLO.

 

      5. Man kann Wertsachen wieder einfach rumliegen lassen und weiss, die sind auch noch da, wenn man ihnen kurz den Rücken zudreht. Sogar wenn man in einem Doppelbett oben schläft und der Rucksack schmerzlich weit weg ist (und die Kopfhörer darin auch). Wobei man zu Hause auch kein Doppelbett hat. Und wenn, dann nur ein cooles mit den Betten nebeneinander.

 

      6. Die Leute kennen dich wieder oder/und interessieren sich nicht für dich. Man muss sich nicht mehr ständig und jeder einzelnen Person vorstellen, die einem über den Weg läuft. Dafür kann man sich bei neuen Bekanntschaften nicht immer wieder neu erfinden, wenn man dies denn wollte. Es wird einem nicht mehr unvoreingenommen gegenübergetreten, was bisweilen ein wenig schade sein kann. Dass ich ein bekannter Journalist und Schriftsteller bin, glaubt mir hier natürlich wieder niemand mehr. Bin ich aber wirklich. Ganz ehrlich.

 

      7. Die wichtigste Frage ist nicht mehr immer, woher man kommt. Es läuft nicht mehr so „Hallo, ich komme aus der Schweiz, ja, wir haben vier Sprachen, nein, ich spreche nicht alle, ja, teuer ist es auch für mich in der Schweiz, usw usw. Demokratie, SVP, ja,ichschämemichauchfürdieabstimmungen“. Und wir sind auch nicht alle blond. Ich bin nämlich nicht aus Schweden,dutubel! Aber seien wir mal nicht so, bei uns Schweizern wird dafür immer instant angenommen, wir hätten viel Geld. Und am Flughafen wird man auch nie zurückgehalten, nur, weil man Schweizer ist. Dafür schreit im Hostel immer jemand „KuchikästliiiHAHAHA“ durch den Raum bei Bekanntwerden deiner Swissness. Ja ja, wo Licht ist, gibt es halt immer auch Schatten.

 

      8. Endlich wieder unbegrenztes Internet. 3G, 4G, einen eigenen Anschluss. Geschenk und Bürde zugleich. Und niemand steckt mir mehr mein Ladekabel aus, wenn der Akku meines iPhones erst wieder fünf Prozent geladen ist. Ist ja voll easy, ich hatte ja nur eine achtstündige Busfahrt vor mir.

 

      9. Achtstündige Busfahrten sind passé. Und die ständigen Ortswechsel, das Unbeständige. Zu Hause hat alles seinen Platz und verändert sich kaum. Langweilig, wenig überraschend, dafür auch konstant und stabil. So eine Beständigkeit im Leben ist natürlich schon bizeli uncool, besonders für unsere «Generation Y», aber ab und zu eine Verschnaufpause im Leben kann schon auch ganz okay sein.

 Zurück im Ernst des Lebens – Zum Glück(2)

      10. Endlich kann man die Bücher lesen, welche man auf der Reise mitgeschleppt, aber doch nie gelesen hat, weil immer etwas los war oder man zu müde war, weil eben etwas los war. Nicht, dass in meinem Leben nichts los wäre. Imfall. Aber ein Buch lässt sich besser lesen, wenn nebenan nicht gerade Beer Pong gespielt wird. Vor allem auch, weil man sich dann unglaublich bieder vorkommt.

 

      11. Das Leben passt nicht mehr in einen Rucksack. Dafür muss man ihn auch nicht mehr immer mit sich herumtragen. Vor allem nicht die ungelesenen Bücher.

 

      12. Das Gefühl von „Uii, ist das aber günstig“ ist weg (mit Ausnahme des Flughafens Oslo, bei dem sich dieses Gefühl gar nicht erst eingestellt hat). Dafür kann wieder Wasser ab Wasserhahn getrunken werden und der Bus kommt stets pünktlich; genauso wie die Erhöhung der Krankenkassenprämie oder unpassende SVP-Volksinitiativen auch.

 

Zu Hause ankommen: Das bedeutet zuerst einmal, allen Hallo zu sagen, einen Haufen Wäsche zu waschen, Fotis zu sortieren und dabei laut zu seufzen, nackt durch die eigene Wohnung zu stolzieren und vielleicht sogar ungeniert zu flatulieren. Und das auf Reisen gekaufte supercoole Shirt mit der Aufschrift «Same shirt, different day» im Kleiderschrank zu verstauen und erst bei der nächsten Reise wieder herauszunehmen, weil gewisse Dinge halt schon nur auf Reisen wirklich cool sind. Zu Hause ist, wo man weiss, was morgen zu tun ist, egal, ob es einem gefällt oder nicht.

 


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