Projekt «Skaldenmet»: Zwischen CO2-Ohnmacht und Epic-Folk-Metal

Das Projekt «Skaldenmet» (mehr Infos zum Thema «Met» am Ende des Artikels) war wahrscheinlich eine der erfolgreichsten Crowd-Funding-Geschichten im letzten Jahr: Nach nur vier Tagen waren bereits 90 Prozent der gewünschten 10’000 Schweizer Franken gesammelt. Die Vorstellung eines handgemachten Qualitätsmets schien bei einigen Anklang zu finden. Von da an war es kein weiter Weg mehr bis zur erfolgreichen Finanzierung. Nun, ein Jahr später sind die benötigten Utensilien gekauft, die ersten Fässer «Skaldenmet» haben fertig gegärt, der erste Businessplan steht und ich treffe den Initianten Martin „Maede“ Baumann zu einem Gespräch über den aktuellen Stand seines Projektes und die zukünftigen Pläne – und um meine Flasche «Skaldenmet» abzuholen, denn auch ich habe in den Honigwein «investiert».

Der wahrgewordene Mythos ohne Zusatzstoffe

Maede empfängt mich herzlich in seiner Wohnung an der Hofstrasse, Ecke Keltenstrasse (passt!), welche zusätzlich als Brauerei und Verkaufsstand fungiert. Wir setzen uns in die Küche und der Braumeister reicht mir sogleich ein Glas «Skaldenmet» zur Degustation. «Gell, das Honigvolumen ist intensiv?» – ich nicke, gebe aber zu, dass ich kein grosser Metkenner bin. Daraufhin erklärt Maede «Man schmeckt es vorne auf der Lippe. Der Met ist nicht so süss im Gaumen, man schmeckt das Honig-Aroma erst später. Das gefällt mir.» – Ja, das schmecke ich in diesem Fall wohl auch. Glaube ich. Maede ist der geborene Verkäufer, aber wir sind nicht zum Trinken hier – oder zumindest nicht nur.

«Der Skaldenmet bringt einen jeden zum Dichten und Singen!»

Auf seine Beweggründe Met zu machen angesprochen, erklärt Maede, er habe vor neun bis zehn Jahren mit Hilfe eines kleinen Gärballons mit dem Brauen begonnen, weil ihm der herkömmliche Industrie-Met nie so geschmeckt habe: «Met sollte nicht wässrig sein, sondern mehr die Konsistenz von Wein haben». Angefangen mit Rezepten aus dem Internet verfeinert Maede seinen Met in etlichen Versuchen stetig, ganz zur Freude seines Kollegenkreises. Auf Anraten derselben Kollegen nahm die Idee eines Gourmet-Mets 2014 konkretere Formen an. Der Name dafür war schnell gefunden: «Skaldenmet». Gemäss der nordischen Mythologie ist der «Skaldenmet» ein Getränk, welches einen jeden zum Dichten und Singen bringt. Maede betont, dass tatsächlich schon einige gesungen hätte nach dem Genuss seines Mets, der Name habe also ziemlich gut gepasst.

Skaldenmet5Die «Skaldenmet»-Sorten feinherb und süss in Nahaufnahme.

Der Braumeister betont, dass er bei der Produktion des Mets auf Zusatzstoffe verzichte und Biohonig aus dem Schwarzwald sowie Apfelsaft aus der Schweiz verwende. Er sei froh, dass diese natürliche Herstellungsweise einen gewissen Zeitgeist treffe, in welchem ein grosser Teil der Leute wieder vermehrt auf Qualität denn auf Quantität achten würde. Gerade in Zürich sei schon eine gewisse Klientel da, welche bereit sei, ein wenig mehr für Qualität zu bezahlen beziehungsweise es sich auch leisten könne, darauf zu achten. Zumindest im Gegensatz zu Deutschland, wo Maede oft Kopfschütteln ernte, wenn er umgerechnet 25 Euro für eine Flasche Met verlange. Aber Qualität habe halt seinen Preis und sein Met sei ohnehin kein Partygetränk fürs schnelle Betrinken, sondern eher wie ein guter Whiskey oder Cognac zu geniessen.

«Maede macht es wie ein Drogendealer: Ein Gläschen zum Anfixen und   dann gleich ein paar Flaschen verkaufen»

 Die Metal-Band mit eigenem Met

Den Erfolg des Crowd-Funding-Projekts sieht der Jungunternehmer pragmatisch: Im Gegensatz zu idealistischen Projekten habe er den Spendern ein Produkt zum Anfassen bieten können. Lachend fügt er an: «Es ist doch auch so: Je schwieriger die Zeiten sind, desto besser verkauft sich Alkohol». Geholfen habe zusätzlich, dass er in der Mittelalter- und Metalszene, in welcher Met in erster Linie getrunken werde, kein Unbekannter ist. Seit Jahren spielt er in der Epic-Folk-Metal-Band Caladmor, deren Alben über die Landesgrenzen hinaus vertrieben werden. In der Zürcher Metal- und Rockbar «Ebrietas» in der Zähringerstrasse habe zudem lange ein Konzertplakat der Band gehangen: Das helfe dann schon für Spontanspenden nach einigen Bieren (oder eben: Mets).

 

 

Der Met kommt an: Heute liefert er jeden Monat einige Flaschen seines Mets ins «Ebrietas». Ansonsten sei es aber schwierig, Bars und Getränkehändler davon zu überzeugen, den «Skaldenmet» in ihr Sortiment aufzunehmen, denn der Getränkemarkt sei ziemlich gesättigt. Gerade auch Open-Airs und Festivals würden eher auf den herkömmlichen Industrie-Met setzen als auf den teureren «Skaldenmet». Eine Marke zu etablieren sei immer schwierig, gerade im Premiumbereich. Besser laufe das Geschäft beim Verkauf an den Konzerten der Band sowie an Mittelaltermärkten. Dabei spiele es ihm in die Hände, dass die Leute von seinen Produkten kosten dürfen. Lachend erklärt Maede seine klassische Verkaufstaktik: Ein Gläschen zum Anfixen und dann gleich ein paar Flaschen verkaufen – «wie ein Drogendealer». Am besten laufe der «Skaldenmet» mit Vanillearoma, welchen er schon ausverkaufen konnte.

 

Metbrauen ist wie Fischen

Bei einer kleinen Führung bekomme ich Einblick in die «Brauerei»: Ein abgedunkeltes Zimmer, dessen Boden mit Plastik bedeckt und mit Kartons, Fässern und einer Abfüllanlage vollbepackt ist. Der CO2-Ausstoss von der Gärung sei hier manchmal so stark, dass man fast in Ohnmacht falle, erklärt Maede. Aber nichts, dass man nicht mit ein wenig lüften beheben könne. In Zukunft könnte er sich schon vorstellen, ausserhalb und in grösseren Mengen seinen Met herzustellen, meint der Braumeister. Er brauche aber heute schon fünf bis sechs Leute, um seine sechs Fässer in einem Tag in Flaschen abzufüllen, die Flaschen zu etikettieren und zu verkorken. Für mehr bräuchte er wohl bald mal eine Fabrik mit automatischen Maschinen, was nicht wirklich seiner Vorstellung von einem handgemachten Met entsprechen würde. Gerade dieses «hemdsärmlige» Metbrauen habe seinen Reiz und sei ein guter Ausgleich zu seiner sonst kopflastigen Arbeit: «Ich drifte dabei manchmal richtig ab – ein bisschen wie beim Fischen». Oft sei es befriedigender als geistige Arbeit, weil es sich um eine klassische Wertschöpfung handle – «einer „Poiesis“, wie es die Griechen nannten». An dieser Stelle macht sich Maedes Philosophiestudium bemerkbar: Seit längerem schreibt er an einer Doktorarbeit, welche zur Sinnlichkeit des Metgenusses passt und den Titel «Lust im Mittelalter. Die Rezeption des Lustbegriffs von der Antike in der Spätantike, Mittelalter und Renaissance» trägt. Die Arbeit habe er seit dem Metgeschäft ein wenig zurückstecken müssen, er wolle sie aber bald wieder in Angriff nehmen.

Skaldenmet3Maede in seiner «Brauerei» – Rechts im Bild: Die Abfüllmaschine.

Vorerst konzentriert er sich aber darauf, die Marke «Skaldenmet» weiter aufzubauen. Dies soll unter anderem mit Hilfe eines speziellen «Selection Mets» geschehen, welcher von einem Spitzenkoch entwickelt und mit eigenem Artwork versehen werden soll. Es ist zwar noch Zukunftsmusik, aber Maede ist der geborene Verkäufer und wirkt sich seiner Sache sicher: «Der Weg ist steinig, aber in ein, zwei Jahren wird das schon». Es wirkt, als hätte ich mein Geld gut investiert: Zu einer weiteren Flasche würde ich nicht Nein sagen. Ja, das mit dem Drogendealer hat was.

Maede’s Skaldenmet kann online bestellt werden unter: Skaldenmet.

 


Was ist Met?

Met ist Honigwein, welcher aus einer Mischung von Honig und Wasser und/oder Fruchtsäften besteht. Diese wird mittels Hefe zur Gärung gebracht, wobei ein Alkoholgehalt von bis zu 20 Prozent erreicht werden kann. Im folgenden Video erklärt Maede höchst selbst, wie er seinen «Skaldenmet» herstellt.


Dieser Artikel ist auch auf tsüri.ch erschienen: Hier.


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