Pizza-Review Nr. 2: Das «Rosso»

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Im grossen Pizza-Voting wurde das «Rosso» auf Platz fünf der besten Pizzerias Zürichs gewählt. Es ist bekannt für gutes Essen und weniger guten Service – aber stimmt das wirklich? Redaktor Marco Büsch hat sich aufgemacht, dem «Mythos Rosso» auf den Grund zu gehen.


Ihr habt abgestimmt: In diesen fünf Restaurants gibt es die besten Pizzas der Stadt. Die Tsüri.ch-Redaktion hat sich auf die Vespa geschwungen und in diesen Pizzerias das italienische Nationalgericht getestet. In der zweiten Review besucht Marco Büsch das fünftplatzierte «Rosso».


Erzählt man Leuten, dass man ins «Rosso» gehe, so hat jeder*r eine Meinung dazu. Inhaltlich ist man sich aber einig und uneinig zugleich. Einig ist man sich beim Essen: Das ist sehr gut bis fantastisch. Uneinig ist man sich beim Service: Von «Ich wurde eine halbe Stunde nicht mal angeschaut» bis «Ich wurde freundlich und kompetent bedient» habe ich alles an Meinungen zum Service im «Rosso» gehört. So bin ich also losgezogen, um die Pizzeria zu testen, welche die Tsüri.ch-Leser*innen auf den fünften Platz des Pizza-Votings gehievt haben – und um Licht in den Service-Mythos des «Rosso» zu bringen.

 

Das «Rosso» wird seinem Ruf gerecht – zumindest in Teilen

Es ist halb neun Uhr Abends, wir sind zu zweit und ich habe nicht reserviert. Aber auf der Webseite des «Rossos» stand aufmunternd: «Probieren Sie es spontan, ab ca. 20:30 Uhr haben wir immer wieder einen Platz frei». So begaben wir uns also ins volle Restaurant und kamen vor der Kasse zu stehen. Hier standen wir gefühlte fünf Minuten untätig rum, während das Servicepersonal geschäftig an uns vorbeirauschte, ohne auch nur Worte der Begrüssung zurückzulassen. In meinem Kopf malte ich mir schon meine Rezension aus: «Das Rosso wird seinem Ruf vom schlechten Service gleich zu Beginn mehr als gerecht!» – Aber dann, dann endlich kam der Chef de Service um die Ecke, entschuldigte sich ganz herzlich und geleitete uns an einen Tisch im Innern des Restaurants. Wenig später führte er uns auf Nachfrage an einen freigewordenen Tisch auf der Terrasse und wir waren versöhnt. Denn um es kurz zu machen: Ab da war der Service aufmerksam, aber nicht unaufdringlich, zuvorkommend, aber nicht überfreundlich – schlicht und einfach sehr gut. Bis auf das Ende, aber kommen wir zuerst zur Hauptsache: Dem Essen.

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Der Aussenbereich des «Rosso»

Grandioses Olivenöl und ungesalzenes Brot – Pure Italianità

Das «Rosso» ist vom Erscheinungsbild her nicht besonders italienisch. Sei es der Ort, das Personal oder die Musik. Aber sobald es in Richtung Karte und dann vor allem zu den Speisen geht, fühlt man sich wie in Italien selbst. Es wird grandioses Olivenöl gereicht, dazu ungesalzenes Brot. Die Pizza-Seite auf der Speisekarte ist nur in italienisch erhältlich – ohne Übersetzung. Auch inhaltlich bleibt die Karte sehr italienisch – Ausrutscher oder Experimente bei den Belägen wie Ananas oder Smarties sucht man vergebens. Besonders kreativ ist das nicht, jedoch ist Kreativität für mich in diesem Zusammenhang nicht unbedingt nötig: Das «Rosso» bietet kein Gemischtwarenladen mit 40 verschiedenen möglichen Pizze, sondern besinnt sich auf gerade mal 13 verschiedene Varianten (inklusive Margherita). Ich bestelle Pizza Bufala «con mozzarella di bufala, prosciutto crudo e rucola» (28.-). Mein Gegenüber bestellt Pizza Ricotta «con ricotta di bufala, pomodorini freschi, melanzane fritte e rucola» (26.-). Insgesamt vergebe ich eine vier auf der sechs-stückigen Kreativitäts-Wertung (Bewertungsbogen am Ende des Artikels) mit dem Vermerk, dass für mich eine Sechs-Punkte-Wertung auf dieser Skala nicht unbedingt eine Auszeichnung wäre. Ebenfalls vier Stücke verteile ich in Sachen Italianità. Während das Ambiente eher wenig italienisch wirkt, sind es Speisekarte und Essen umso mehr.

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Pizza Buffala (links) und Pizza Ricotta (rechts)

Die Pizze selbst sind grandios! Der Rand ist ausserordentlich knusprig: Sechs von sechs Pizzastücken in der Wertung. Der Mozzarella hat die perfekte Konsistenz und ist in der richtigen Menge vorhanden – genau so, dass man die Tomaten weiterhin schmeckt: Wiederum sechs von sechs Pizzastücken in der Wertung. Der Belag ist ebenfalls in der richtigen Menge aufgetragen, von nichts zu viel, von allem genug. Die Pizza ist gross, aber dank des dünnen Teigs lässt sie einem am Ende mit einer wohligen Sattheit zurück, ohne dass man sich überfressen fühlt.

 

Ausgebremst auf der Schlussgerade

Bis zum Ende des Abends fühlen wir uns gut aufgehoben im «Rosso». Als wir jedoch die Rechnung bestellen wollen, trat 20 Minuten lang niemand mehr in Sichtweite. Der Abend war jedoch fortgeschritten, also sind wir selbst zur Kasse geschritten. Dort angekommen, mussten wir wiederum fünf Minuten warten und als es dann ums Bezahlen ging, machte das Service-Personal einen richtigen «Lätsch». Erst als wir Trinkgeld hinlegten – weite Teile des Abends war der Service ja gut gewesen – konnten wir dem Servicepersonal ein kleines Lächeln abringen. Gerne hätte ich über den wackeligen Start hinweggesehen aufgrund des ansonsten formidablen Services. Bei diesem Ende kann ich jedoch keine volle Punktezahl geben und vergebe fünf von sechs Pizzastücke für den Wärmegrad der Herzen.

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Italianità im Schatten des Primetowers – wie’s halt möglich ist

in letztes Wort deshalb zum Service-Mythos des «Rosso». Ich nehme an, es hat mit verschiedenen Erwartungshaltungen an einen guten Service zu tun. Ich persönlich kann warten, wenn alle Tische voll sind und das Personal im Stress – aber ein kurzes Nicken oder Hallo als Zeichen, dass man gesehen wurde, tut niemandem weh. Ich erwarte auch nicht, dass das Servicepersonal Burzelbäume schlägt, wenn ich meine Rechnung begleiche – aber erst freundlich zu werden, wenn Trinkgeld gegeben wird, ist ein Unding. Mein Fazit zum Essen im «Rosso»: In diesem Restaurant steht das Essen im Mittelpunkt – und das mit all seinen guten und weniger guten Auswirkungen. Aber man ist versucht zu sagen: Sie dürfen das. Denn das Essen ist eine Liga für sich.

Ultimatives zertifiziertes Tsüri.ch-Pizza-Rating

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(Alle Bilder von Zazie Bründler; Grafik von Laura Kaufmann)

Dieser Artikel ist am 01.06.2018 bereits auf Tsüri.ch erschienen: Hier.


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